Feministische Tage 2026: Feministische Theorie, Öffentlichkeit und gesellschaftlicher Wandel

Leibniz Universität Hannover | 20-22. November 2026

Die „Feministischen Tage 2026“ an der Leibniz Universität Hannover widmen sich der Frage, wie feministische Gesellschaftsanalyse unter den Bedingungen digitaler Transformation, wachsender materieller Ungleichheiten, veränderter Öffentlichkeiten und politischer Polarisierung weiterentwickelt werden kann. Die Veranstaltung knüpft an die Tradition interdisziplinärer feministischer Wissenschaft in Hannover an und versteht sich als Forum für den Austausch zwischen Wissenschaft, zivilgesellschaftlicher Praxis und Öffentlichkeit.
Ausgangspunkt der Tagung ist die Beobachtung, dass aktuelle feministische Forschung zwar differenzierte Analysen zu Geschlecht, Intersektionalität, Care, Migration, Digitalisierung und gesellschaftlicher Transformation hervorgebracht hat, zentrale Analyseebenen und Forschungstraditionen jedoch häufig nebeneinanderstehen. Insbesondere die Verbindung mikrosozialer Perspektiven mit makrosoziologischen Gesellschaftsanalysen, die Verknüpfung digitaler Öffentlichkeiten mit Fragen epistemischer Autorität sowie das Verhältnis von Wissenschaft, Öffentlichkeit und politischer Praxis sollen neu diskutiert werden.
Ein besonderer Bezugspunkt der Veranstaltung ist das Werk von Regina Becker-Schmidt (1937-2024), die feministische Gesellschaftstheorie mit Kritischer Theorie, sozialpsychologischen und gesellschaftstheoretischen Perspektiven verband und damit bis heute wichtige Impulse für feministische Forschung liefert. Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule widmete sich der Analyse gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse und den Bedingungen autoritärer und totalitärer Entwicklungen. Ihre Ansätze haben damit gegenwärtig wieder eine hohe Aktualität gewonnen.
Da feministische Wissenschaft aus der neuen Frauenbewegung hervorgegangen ist, soll auch das Verhältnis von Wissenschaft und politischem Engagement diskutiert werden. Und auch die sachliche Analyse tiefer liegender Konflikte innerhalb der feministischen Bewegung gehören angesichts zunehmend emotionaler Debatten wieder einmal auf die Tagesordnung.
Wir laden Beiträge aus den Sozial-, Kultur-, Geistes-, Medien- und Literaturwissenschaften sowie aus aktivistischen, künstlerischen und praxisorientierten Kontexten ein.

Mögliche Fragestellungen und Themenfelder inkludieren:

1. Wissenschaft, Öffentlichkeit und feministische Bewegung

  • Wie verändert sich das Verhältnis von feministischer Wissenschaft, Öffentlichkeit und politischer Bewegung?

  • Welche Rolle spielen Gender Studies als Gegenstand von gesellschaftlichen und politischen Debatten?

  • Wie lassen sich innerhalb der Gender Studies konstruktive Wissenschaftskritik und die Reflexion eigener wissenschaftlicher Praktiken fördern und mit der Offenheit gegenüber gesellschaftlicher Praxis verbinden?

2. Mikro- und makrosoziologische Perspektiven feministischer Gesellschaftsanalyse

  • Wie lassen sich Subjektbildung, zwischenmenschliche Praktiken und ideologische, sozialpsychologische und ökonomische Strukturen als Gesamtzusammenhang denken?

  • Welche neuen Differenzen ergeben sich innerhalb feministischer und geschlechterpolitischer Kollektive durch Migration, Care-Arbeit, Prekarität, Arbeitsteilung und andere strukturbildende Kategorien?

  • Wie verändern digitale und hybride Öffentlichkeiten das gesamtgesellschaftliche Geschlechterverhältnis?

3. Digitale Öffentlichkeiten, Sichtbarkeit und epistemische Autorität

  • Wie entstehen Sichtbarkeit, Glaubwürdigkeit und Autorität in digitalen Räumen?

  • Welche Rolle spielen Plattformen, Affekt und Authentizität für feministische Wissensproduktion?

  • Wie verändern digitale Kommunikationsformen wissenschaftliche und politische Öffentlichkeiten?

4. Demokratie, Widerstand und gesellschaftlicher Wandel

  • Welche Handlungsmöglichkeiten eröffnen postkoloniale, materialistische, queerfeministische oder intersektionale Ansätze in Bezug auf Gewalt im Geschlechterverhältnis?

  • Wie können demokratische Handlungsräume und solidarische Öffentlichkeiten neu gedacht werden? 

  • Wie lassen sich staatliche Schutzfunktionen in Demokratien aus unterschiedlichen feministischen Perspektiven analysieren und bewerten?

Einreichung

Bitte senden Sie ein Abstract (max. 300 Wörter) sowie eine kurze biografische Notiz (max. 100 Wörter) bis zum 24.08.2026 an: feministische.tage@phil.uni-hannover.de

Teilnehmende bekommen bis spätestens 07.09.2026 Bescheid. Anmeldung bis 22.10.2026.

Die Konferenz findet überwiegend in deutscher Sprache statt; Beiträge auf Englisch sind willkommen. Wir freuen uns insbesondere über Einreichungen von early career researchers, Promovierenden, Studierenden sowie Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher Organisationen.

Publication Date:

27 July 2026

Deadline:

24 August 2026

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