Call for Papers für das Jahrbuch 2028 (Band 24)
„Umstrittene Erkenntnisweisen und die Macht der Episteme - Reflexionen (in) der erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung“
Mit dem Call für das Jahrbuch 2028 machen wir die Frage der Erkenntnisweisen und die machtvollen Ordnungen des Epistemischen zum Thema geschlechtertheoretischer Reflexion. Im Sinne einer ‚Geschichte der Problematisierungen‘ laden wir dazu ein, wissenschaftspolitische, erkenntniskritische und methodologische Auseinandersetzungen in der erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung zu verschiedenen Zeitpunkten aufzuspüren, diese auf ihre Potenziale und Grenzen (im jeweiligen historisch-gesellschaftlichen Kontext) hin zu untersuchen und das ‚Uneingelöste‘ darin zu rekonstruieren.
Kann hier für die aktuell anstehenden Kämpfe um epistemische Gerechtigkeit womöglich etwas gewonnen werden? Diese Frage stellt sich uns in einer weltgesellschaftlichen Situation,
- in der Ansätze einer (herrschafts-)kritischen Wissenschaft unter Druck geraten und sich massiven Angriffen ausgesetzt sehen,
- in der Versuche zunehmen, gerade auch die Geschlechterforschung zu diskreditieren und zu delegitimieren.
Aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen verweisen darauf, dass das akademische Feld alles andere als ein ‚neutrales Gebiet‘ ist. Dies gilt insbesondere, aber nicht ausschließlich, unter Vorzeichen autoritärer Regime. Entsprechend problematische Entwicklungen führen auch an deutschen Hochschulen zu Fragen nach der Verantwortung von (Erziehungs-)Wissenschaft. Wenn Träger der politischen Bildung (insbesondere auch Projekte, die sich auf Diskriminierungskritik und geschlechterreflektierende Perspektiven beziehen) zur Zielscheibe von Kampagnen der Diffamierung werden, wenn über Politiken der Mittelvergabe und des Mittelentzugs oft gerade diejenigen Bildungsbereiche grundsätzlich infrage gestellt werden, die angesichts von Tendenzen der Demokratieerosion unerlässlich sind, so fordert das auch die Erziehungswissenschaft heraus. Über nationale Grenzen hinweg erweisen sich „Pädagogik und Geschlecht als Gegenstand politischer Kämpfe“.
Das Jahrbuch 2028 sucht die hier skizzierten kritischen Auseinandersetzungen insbesondere in erziehungswissenschaftlicher Perspektive zu rekonstruieren und – gerade angesichts aktueller Entwicklungen und deren politischer Brisanz – weiterzuführen. Dies geschieht im Bewusstsein dessen, dass auch der Produktionsprozess des Jahrbuchs selbst in die vorherrschenden Strukturen des Wissenschaftssystem eingelassen ist.
Eingeladen werden Beiträge zu folgenden Themengebieten und Fragestellungen:
- Erkenntniskritik: Wie geschieht Erkenntnis und wovon ist sie beeinflusst? (Hier können z. B. auch affekttheoretisch und/oder körperbildungstheoretisch inspirierte Fragestellungen verfolgt werden.)
- Wissenschaftskritik: Inwiefern bzw. in welcher Weise ist das akademische Feld qua Geschlecht strukturiert, und mit welchen Ein- und Ausschlüssen geht dies einher? (Wie überlagern sich hier unterschiedliche Ordnungen der Differenz, bzw. unterschiedliche Verhältnisse der Ungleichheit?)
- Wissenschaftsbetrieb: Welche Rolle spielen Transformationen im Wissenschaftssystem (und konkret in den wissenschaftlichen Institutionen) für die Entwicklung von Geschlechterverhältnissen in Wissenschaft und Gesellschaft?
- Was bedeutet die Auseinandersetzung mit dem Epistemischen für die (veränderte) Theoretisierung von Erziehung, Bildung und Sorge?
- Wie lassen sich von daher Verhältnisse von wissenschaftlichem Wissen und institutionalisierter pädagogischer Praxis sowie Bildungspolitiken (neu oder anders) denken?
- Welche Querverbindungen zu anderen Forschungsgebieten und Teildisziplinen der Erziehungswissenschaft könn(t)en dafür produktiv gemacht werden?
Erwünscht sind insbesondere Beiträge, die explizit aus einer erziehungswissenschaftlichen und geschlechtertheoretischen Perspektive heraus argumentieren. Diese können historisch, theoretisch oder auch empirisch akzentuiert sein. Sie können auch aus der (aktivistischen) Bildungspraxis heraus formuliertwerden. Eingeladen sind nicht zuletzt Beiträge, die epistemologische Fragen in Praktiken der Textualisierung übersetzen.
Wie stets beinhaltet das Jahrbuch über den inhaltlichen Schwerpunkt hinaus einen thematisch offenen Teil, der Raum zur Diskussion aktueller Perspektiven in der erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung bietet. (Sammel-)Rezensionen oder Tagungsberichte können ebenfalls eingereicht werden. Auch diese müssen sich nicht ausschließlich mit dem Schwerpunktthema des Jahrbuchs beschäftigen. Wir freuen uns zudem über Hinweise auf und Besprechungen von neu erschienenen Dissertationen aus der erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung.
Zeitplan:
Sowohl für die Beiträge zum Schwerpunktthema als auch für den offenen Teil bitten wir bis spätestens 31.07.2026 um ein Exposé (bis zu 3.000 Zeichen), das an alle Herausgebenden geschickt wird.
Auf der Grundlage der Exposees erfolgen dann bis spätestens Ende September 2026 die Einladungen, einen Beitrag für das Jahrbuch zu verfassen. Die ausgearbeiteten Beiträge müssen bis spätestens zum 31.03.2027 vorliegen. Beiträge zum Themenschwerpunkt umfassen max. 35.000 Zeichen, weitere Beiträge max. 20.000 Zeichen.
Zu beachten ist, dass die Einladung zur Einreichung eines Beitrages noch nicht seine Annahme bedeutet. Die Begutachtung der Einreichungen erfolgt über ein Blind-Peer-Review-Verfahren. Rückmeldungen an die Autor:innen erfolgen im Mai/Juni 2027, für Überarbeitungen bleibt dann Zeit bis Mitte September 2027.
Der Band wird im Frühjahr 2028 im Barbara Budrich Verlag erscheinen.
Publication Date:
17 June 2026
Deadline:
31 July 2026
Themes:
Disciplines: