Seit etwa zehn Jahren wird mit Besorgnis konstatiert, dass die Pubertät bei Cis-Mädchen in Europa und Nordamerika "zu früh", also fünf Jahre früher einsetze als noch for einem Jahrhundert. Dies sei mit langjährigen Gesundheitsrisiken verbunden. Gleichzeitig wird die Praxis, die Pubertät von Trans- und gendervarianten Kindern mit so genannten Pubertätsblockern zu "verspäten", als Gefahr für die Gesundheit der Kinder diskutiert.
Worum geht es, wenn Pubertät als "zu früh" (bei Cis-Mädchen) oder als "zu spät" (bei Trans- und gendervarianten Kindern) verhandelt wird? Was ist der "richtige" ("natürliche"?) Zeitpunkt und Verlauf von Pubertät in unterschiedlichen Zeiten und Orten? Kurz: wie verändert sich das Verständnis von Pubertät historisch?

In diesem Seminar nähern wir uns "der" Pubertät als einem gesellschaftspolitischen Phänomen. Wir beleuchten historisch-spezifische Pubertätsdiskurse in ihrem Zusammenhang mit (Geschlechter- und Reproduktions-)Politiken. Dabei achten wir auf historische Veränderungen des Einflusses von Natur (Hormone, Gehirn, etc.), Umwelt und Kultur auf Vorstellungen von Pubertät, Geschlechtsreife und Geschlechterdifferenz, um aktuelle Debatten über Pubertät einordnen zu können.

Literatur

Roberts, Celia: Puberty in Crisis, Cambridge University Press, 2015.

McAlpin, Mary K.: Innocence of Experience: Rousseau on Puberty in the State of Civilization, in: Journal of the History of Ideas, Vol. 71, No. 2 (April 2010), S. 241-261.

Trumbull, Den et. al.: Puberty is Not a Disorder & Vance / Stanley R.: Author's Response, in: Pediatrics, Vol. 135, No. 5 (May 2015), doi:10.1542/peds.2015-0313B.

Driscoll, Catherine: Girls. Feminine Adolescence in Popular Culture and Cultural Theory, Columbia University Press, 2002.

Pinto, Pedro & Macleod, Catriona Ida: A Genealoge of Puberty Science: Monsters, Abnormals, and Everyone Else, Rutledge 2019.

Semesters:

Level:

BA

Institutions:

ETCS:

3

Subjects:

Geschichte, Gender Studies

University Type:

UH