Fotografien von Liva Tresch im »Barfüsser« in Zürich (1963–1973)
Fotografien von Liva Tresch im »Barfüsser« in Zürich (1963–1973)
Einleitung des Kapitels
»Es waren immer die Menschen an ihren offenen Stellen bei ihrem Menschsein, die mich interessierten«, erzählt Liva Tresch (*1933) über ihre Art zu fotografieren. »Ich versuchte mit meiner Kamera die Verträumtheit und die Seligkeit in den Gesichtern einzufangen.«1 Die Fotografin war lange Zeit die einzige, die in der legendären Zürcher Schwulen- und Lesbenbar »Barfüsser« fotografieren durfte. Tresch wurde in den 1960er und 1970er Jahren zur Hoffotografin einer homosexuellen Subkultur. Dieses Umfeld sei zu ihrer Familie geworden, sagt sie.
Das Fotografieren hatte Liva Tresch sich selbst beigebracht. Mit ihrer späteren Lebenspartnerin machte sie sich 1968 selbstständig mit Fotogeschäft und Labor. Ihr Zuhause in Zürich wurde zu einem privaten Treffpunkt für Feste und zu einem Auffangort für lesbische Freundinnen in Not.
Liva Tresch galt als unkorrumpierbar. »Diskretion war in der Szene sehr wichtig«, erzählt sie. »Einmal geschah es, dass zwei Herren im Mercedes bei mir auftauchten und ein gewisses Foto wollten. Sie boten mir Geld an, doch ich gab das Bild nicht raus. Sie wollten wohl jemanden fertigmachen. Denunziantentum gab es auch in den eigenen Kreisen, oft waren da die grössten Feinde. Aber ich machte da nicht mit.« [...]
Autor_innen
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Publikation Information
Autor_innen:
Herausgegeben von:
Benno Gammerl, Martin Lücke, Andrea Rottmann
Verlag:
Transcript Verlag
Medientyp:
Stadt:
Bielefeld
Jahr:
2024
Themen:
Disziplinen:
Forschungsthemen:
Sexuelle Orientierung
Darstellungen – Figurierungen
Fächer:
Gender Studies, Geschichte
Form:
Sammelbandkapitel