Strukturellen Rassismus sichtbar machen

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Die Beratungsstellen für Rassismusopfer sind mit vielfältigen Diskriminierungserfahrungen konfrontiert. Diese sind nicht als isolierte Einzelfälle zu betrachten. Sie zeugen vielmehr von der historischen Verankerung von Rassismus in gesellschaftlichen Strukturen, welche Ungleichheiten legitimieren und reproduzieren.

Rassismus ist ein mehrdimensionales Konstrukt, das sich tagtäglich, systematisch und vielschichtig im gesellschaftlichen Alltag (re-)produziert. Um ihn zu verstehen, müssen die interpersonellen, institutionellen und strukturellen Dimensionen berücksichtigt werden, anhand welcher Rassismus eingebettet ist, sich manifestiert und Normalität schafft. Diese Dimensionen sind untrennbar miteinander verknüpft und wirken wechselwirkend aufeinander ein. Sie beinhalten Machtverhältnisse, welche gesellschaftliche Strukturen, Normen und Praktiken hervorbringen und Institutionen sowie Individuen beeinflussen.

Seit über zehn Jahren dokumentieren die Mitgliedstellen des Beratungsnetzes für Rassismusopfer Meldungen und Vorfälle rassistischer Diskriminierung, welche in allen Lebensbereichen und in unterschiedlichen Kontexten auftreten. Die Vorfälle widerspiegeln die Systematik von Rassismus in der Schweiz, welche in Alltagsrassismen wie rassistischen Beschimpfungen, Herabwürdigungen, Unterstellungen sowie in strukturellem und institutionellem Rassismus in Form von Racial Profiling oder dem erschwerten Zugang zu Arbeit, Bildung, Gesundheitsversorgung und Wohnen, Ausdruck findet.

Über die Jahre hinweg verdeutlichen die Meldungen, dass sich Rassismuserfahrungen schweizweit und konstant in ihrer Form und ihren Auswirkungen wiederholen und unterschiedlichste Personengruppen betreffen. Betroffene werden rassifiziert und mit historisch gewachsenen, undifferenzierten sowie stigmatisierenden Vorstellungen von «Andersartigkeit» und «Fremdheit» konfrontiert. Diese finden sich auf individueller Ebene in Denk- und Einstellungsmustern wieder, die zu – nicht unbedingt beabsichtigten – rassistischen Handlungen führen. Auf institutioneller und struktureller Ebene wirken diese Vorstellungen und ihre homogenisierenden, hierarchisierenden und polarisierenden Narrative auf Gesetze, Wissensbestände, Routinen und Entscheidungsabläufe ein, wodurch bestimmte Menschen von vornherein benachteiligt und andere privilegiert werden.

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Publikation Information

Autor_innen:

Herausgegeben von:

Sylvie Jacquat, Samuel Jordan, Theodora Peter

Verlag:

Eidgenössische Kommission gegen Rassismus EKR

Sprachen:

Deutsch, Französisch, Italienisch

Medientyp:

PDF

Stadt:

Bern

Jahr:

2022

Themen:

Diversity Themen:

Race

Fächer:

Ethnologie

Bereich:

Praxis, Lehre, Forschung

Form:

Artikel