"L*Ost: Frauen*Lesben-Perspektiven auf DDR und Umbruchszeit"

Auftakt am 13. März 2026, 19 Uhr, Vortrag und Zeitzeuginnengespräch: Auf- und Umbrüche „im großen Strudel“. Lesbisch-feministische Perspektiven auf die Transformation, mit DGS-Verdolmetschung

„Dann aber überschlugen sich die politischen Ereignisse und wir gerieten mit in den großen Strudel… Es war faszinierend und beängstigend zugleich.“

Mit diesen Worten erinnerte sich Bärbel Klässner, die Mitherausgeberin des Jenaer Samisdats frau anders, 25 Jahre später an 1989/90. Im Herbst 1989 begann in Ostdeutschland eine Umwälzung, die weit über das Ende des bisherigen politischen Systems hinausging. Der Mauerfall war ein Moment der Politisierung und Mobilisierung der feministisch-lesbischen Bewegung in Ostdeutschland. Doch bereits früh zeichnete sich ab, dass in dieser Umwälzung die Forderungen und Rechte von Frauen wie auch von Queers und anderen Minderheiten marginalisiert wurden und sie besonders stark von der Massenarbeitslosigkeit betroffen waren. Der Vortrag spürt den Veränderungen im Großen wie der Gründung des ostdeutschen Unabhängigen Frauenverbandes ebenso nach wie dem veränderten Alltag und den sich daraus ergebenden ganz praktischen Problemen.

Im Zeitzeug*innengespräch wird es unter anderem um die Auflösung der Strukturen der inoffiziellen Frauen*Lesbenbewegung der DDR, der Entstehung neuer offiziell arbeitender Zentren sowie den Begegnungen zwischen den Frauen*Lesbenbewegungen aus Ost und West während der Umbruchszeit gehen. Wir freuen uns sehr für dieses Gespräch Elke Prinz und Bärbel Klässner begrüßen zu können.

Bärbel Klässner, Autorin, wurde 1960 in Magdeburg geboren, lebt seit 2004 in Essen. In der DDR der 1980er-Jahre engagierte sie sich in der Frauen- und Lesbenbewegung und oppositionellen Gruppen, die sich „unter dem Dach“ der evangelischen Kirche etablieren konnten. Sie war Mitherausgeberin der einzigen in der DDR illegal erschienenen Lesbenzeitung „frau anders“. Sie schreibt Lyrik und essayistische Prosa, hat Stipendien und Auszeichnungen erhalten und leitet seit vielen Jahren Schreibwerkstätten.

Elke Prinz, geboren 1955 in Halle (Saale), war am Aufbau des 1990 gegründeten Vereins Dornrosa e.V. beteiligt, der 1991 das Frauenzentrum „Weiberwirtschaft“ in Halle eröffnete. Dort ist sie seither als Vorstandsfrau tätig. Seit 2010 ist sie Redakteurin und Moderatorin der monatlichen Radiosendungen „FrauenLeben“ und „LeSBIT“ sowie thematischer Podcasts und gestaltet Beiträge zu Frauen- und Gleichstellungspolitik, queerer und Frauengeschichte sowie aktuellen Debatten um Gendervielfalt. Darüber hinaus berichtet sie in Vorträgen über lesbisches Leben, Familienkonzepte jenseits der Ehe und Strategien, sich in einem von Tabuisierung geprägten Umfeld Freiräume zu schaffen.

Maria Bühner ist Kulturwissenschaftlerin, Historikerin und Mitglied im Netzwerk Queere Zeitgeschichten im deutschsprachigen Europa. Ihre abgeschlossene Promotion zur Subjektivierung frauenbegehrender und lesbischer Frauen in Ostdeutschland (1945–1995) erzählt ostdeutsche Geschichte aus queerer Perspektive neu. Sie hat u. a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Leipzig und dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden gearbeitet. Ergebnisse ihrer Forschung hat sie beispielsweise in Aus Politik und Zeitgeschichte (2025, Nr. 21) und einer Expertise für den Senat Berlin (2024) veröffentlicht. Sie engagiert sich freiberuflich und ehrenamtlich für die Sichtbarkeit queerer ostdeutscher Geschichte.

Die Veranstaltung ist der Auftakt der Reihe L*Ost: Frauen*Lesben Perspektiven auf DDR und Umbruchszeit 2026 und wird vom Kulturfonds des Berliner Senats und der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung gefördert. L*Ost DDR 2026 wird veranstaltet vom Sonntags-Club Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit dem Spinnboden Lesbenarchiv und Bibliothek e.V. und dem EWA e.V. – Frauenzentrum.

Informationen:

  • Wann? 13. März 2026, 19 Uhr
  • Wo? EWA-Frauenzentrum, Prenzlauer Allee 6, 10405 Berlin
  • Wer? Alle sind willkommen. 
  • DGS-Verdolmetschung? Ja. 
  • Barrieren? "Wir sind im EWA leider nicht gänzlich barrierefrei, insbesondere, was die Toiletten betrifft. Du kannst jedoch in der Nähe ein "stilles Örtchen" besuchen."

Weitere Veranstaltungen

25. April 2026, 10 bis 12 Uhr, Stadtspaziergang: Orte der Frauen*Lesbenbewegung im Prenzlauer Berg während DDR- und Umbruchszeit mit Samirah Kenawi

29. Mai 2026, 19 Uhr, Vortrag: Alles wird anders … - wir bleiben lesbisch!“ - Perspektiven in der Lesbenzeitschrift frau anders auf die Transformationsjahre mit Paula Kreutzmann und Zeitzeug*innen

13. Juni 2026, 14 bis 18 Uhr, Workshop: Worte wie „Arsendosen". Stasiakten gemeinsam lesen und verstehen mit Maria Bühner

4. Juli 2026, 11 bis 14 Uhr, Führung und Zeitzeugengespräch: Gemeinsamer Besuch des ehemaligen Untersuchungsgefängnis Keibelstraße

  • mit Anmeldung (L-Ost-2026 posteo de), offen für FLINTA, Ort: Lernort Keibelstraße (barrierfreier Zugang plus Toilette)

Mehr Informationen zu den Veranstaltungen gibt es hier: https://spinnboden.de/angebote/ 

Wann:

13. März 2026, 19.00 – 04. Juli 2026, 14.00

Themen:

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