Feministisches Leseseminar Zürich In Verteidigung des freien Westens?
Ein Seminar zur gegenwärtigen Begriffskonfusion mit Tove Soiland, Historikerin
Mit Erstaunen nehmen wir zur Kenntnis, wie sich in den USA scheinbar problemlos ultaliberales Denken mit faschistischem Gedankengut kombinieren lässt. Haben wir nicht gelernt, dass die liberale Wirtschaftsordnung des Westens der beste Garant unumstösslicher individueller Freiheitsrechte ist?
Nimmt man eine historische Perspektive ein, ist eine solche Darstellung falsch. Der „Neue Liberalismus“, der sich seit den 1920er Jahren zu formieren begann und den wir heute als Neoliberalismus bezeichnen, entstand und gedieh zunächst unter Mussolini und später unter dem Nationalsozialismus. Dieses Urtrauma, das eine wohlgehütete Doktrin ab 1945 aus unserem Bewusstsein zu tilgen verstand, scheint uns heute einzuholen.
Dabei ist es zu einfach, für die gegenwärtige Entwicklung die Trumps dieser Welt verantwortlich zu machen. Denn in Europa ist es nicht Trump, sondern die EU selbst, die gerade im Begriff ist, den „freien Westen“ mit Mitteln zu verteidigen, die uns die letzten uns noch verbleibenden Freiheiten rauben.
Das Seminar fragt auf der Basis einer historischen Perspektive (Clara E. Mattei, Ishay Landa, Domenico Losurdo), wie diese Mixtur aus „liberalem Westen“ und Autoritarismus, der in totalitärer Manier weder denkerische Differenziertheit noch politischen Dissens duldet, auch im linken Mainstream Europas, bei SozialdemokratInnen, Grünen und Feministinnen gleichermassen, ankommen konnte.
Wie ist unsere Gesellschaft dahin gelangt, Friedenspolitik als „rechts“ zu bezeichnen, an eine „militärische Friedensförderung“ zu glauben resp. an die Notwendigkeit, in immer neuen Bedrohungsszenarien eine Militarisierung der Zivilgesellschaft voranzutreiben, die unter Begriffen wie „One-Health“ und „gesellschaftliche Resilienz“ jeden Aspekt der Gesellschaft zu durchdringen beansprucht – im Namen der Verteidigung des „liberalen Westens“, versteht sich.
Das Leseseminar richtet sich auch an Frauen, die bisher wenig Erfahrung in der Lektüre anspruchsvollerer Texte, aber Interesse an einer theoriegeleiteten Reflexion der Gegenwart haben.
Zeit:
- Donnerstags jeweils 19:00 bis 21:30 Uhr
Daten:
- 2026: 29. Okt., 12. Nov., 26. Nov., 10. Dez.
- 2027: 07. Jan., 21. Jan., 04. Feb., 04. März, 18. März, 01. April
Kurskosten:
- Fr. 220.–, Ermässigung möglich auf Anfrage
Die Texte werden per mail versendet und müssen von den Teilnehmerinnen selber ausgedruckt werden.
Anmeldung bis 27. September 2026 an: tove.soiland bluewin ch
Wann:
29. Oktober 2026, 19.00 – 01. April 2027, 21.30
Wo:
Flex 1 Kalchbreite, Kalchbreitenstrasse 2, 8003 Zürich
Themen:
Disziplinen:
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