Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Vaterschaft und Männlichkeit
Sitzung der Ad-hoc-Gruppe auf dem 43. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie „Zukünfte der Gesellschaft“ vom 28.09.- 02.10.2026 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Vaterschaft als Konzept und als soziale Praxis unterliegt gesellschaftlichen, familialen und individuellen Veränderungsdynamiken. Sie ist stets an gesellschaftliche Idealvorstellungen von Geschlechterverhältnissen geknüpft, die derzeit einen starken Backlash erleben. Während es so beispielsweise in den 1960er Jahren weder als väterliche Praxis noch vor dem Hintergrund gängiger Männlichkeitsideale für Väter denkbar war, die Geburt ihres Kindes mitzuerleben, ist es heute für die meisten werdenden Väter unvorstellbar, dieses Ereignis zu verpassen. Allein daran zeigt sich: Was gesellschaftlich unter ‚guter‘ Vaterschaft und männlichen Idealvorstellungen verstanden wird, hat sich im Laufe der letzten 100 Jahre stark verändert (Lengersdorf/Meuser 2022; Martin-Garcia et al. 2023). Früher galt als ‚guter‘ Vater, wer die Familie finanziell versorgte und deren Geschicke autoritär lenkte. Inzwischen hat sich diese Norm einer Alleinverdiener-Vaterschaft zu einem Geschlechterverhältnis entwickelt, das den Vater als gleichberechtigten und aktiven Elternteil versteht. Dennoch bleibt er gleichzeitig hauptsächlich für das Familieneinkommen zuständig, und es gibt aktuelle Trends, Vaterschaft und Mutterschaft wieder als getrennte Sphären zu verstehen (aktuelles Stichwort: Tradwives). Studien weisen darüber hinaus eine zunehmende Ausdifferenzierung von Vaterschafts- und Männlichkeitsidealen nach (Väterreport 2023).
In dieser Ad-hoc-Gruppe sollen daher verschiedene Generationen von Vätern betrachtet werden. Ausgehend von der Annahme, dass Väter im Laufe der Zeit immer aktiver geworden sind und sich Vaterschafts- und Männlichkeitsideale von autoritärer Vaterschaft zu Caring Fatherhood zu entwickeln scheinen, möchten wir diskutieren, wie dieser Prozess weitergehen könnte. Handelt es sich bisher wirklich um eine lineare Entwicklung hin zu zunehmender Involviertheit und mehr Engagement? Oder gilt das nur für einzelne Gruppen von Vätern und es finden parallele, möglicherweise sogar gegensätzliche Entwicklungen statt? Wir blicken dafür auf die historische, gegenwärtige und zukünftige Entwicklung von Vaterschaft und Männlichkeit. Dabei möchten wir sowohl veränderte rechtliche Möglichkeiten und sozialpolitische Maßnahmen, als auch den familiären und biographischen Kontext als Aushandlungsfelder väterlicher Normen und Praktiken in den Blick nehmen.
Ziel der Ad-hoc-Gruppe ist es, Wissenschaftler*innen zusammenzubringen, die zu Vaterschaft forschen, um einen familien- und geschlechtersoziologischen Austausch zu Wandel und Zukunft von Vaterschaft und Männlichkeit zu ermöglichen.Während einige Vorträge bereits fest eingeplant sind (zur Vergangenheit: Till van Rahden, zur Gegenwart: Jelena Büchner und zur Zukunft: Sarah Speck), suchen wir weitere Vortragsangebote, die sich in diese Dreiteilung (möglichst) eingliedern lassen. Wir würden uns sehr über (sowohl empirische als auch eher theoretische) Einreichungen zu folgenden Themen freuen:
- Beiträge, die die historische Entwicklung von Vaterschaft und Männlichkeit über einen längeren Zeitraum in den Blick nehmen
- Forschung zu aktuellen Vätergenerationen und Care bzw. zur Ausdifferenzierung von Vaterschaftskonzepten, auch vor dem Hintergrund aktueller sozialpolitischer Entwicklungen
- Überlegungen zur Verknüpfung von Vaterschaft und Männlichkeit
- Beiträge, die möglichst perspektivisch in die Zukunft blicken und z.B. ausgehend von Forschung zu jungen (noch kinderlosen) Männern oder Jugendlichen untersuchen, welche Veränderungen von Vaterschaft sich möglicherweise erwarten lassen.
Selbstverständlich sind auch querliegende Themen oder Überschneidungen denkbar.
Wir freuen uns über Beitragsvorschläge von Nachwuchswissenschaftler*innen ebenso wie von solchen, die schon länger zu Vaterschaft forschen.
Wir bitten um die Einreichung von Abstracts (maximal eine Seite) bis zum 4. Mai 2026 an: buschmeyer dji de und vaterschaft dji de
Organisation: Dr. Anna Buschmeyer, Dr. Claudia Zerle-Elsäßer, Dr. Leonhard Birnbacher, Klara Lüring M.A. (alle Deutsches Jugendinstitut München)
Date di pubblicazione:
17 aprile 2026
Scadenza:
04 maggio 2026
Temi:
Discipline: