Call for Participation Körper und Interviewforschung – Perspektiven für die Trans Studies

Workshop am 22.+23. Oktober 2026, Universität Bielefeld, Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung (IZG)

In den Trans Studies wird der Körper ambivalent und spannungsreich diskutiert. In poststrukturalistische Gender und Queer Studies intervenierend, klagen Trans Studies vehement die Auseinandersetzung mit gelebter körperlicher Materialität und Erfahrung ein (Namaste 2000, Prosser 1998). Zugleich problematisieren sie die Engführung des hegemonialen Diskurses über trans* Leben auf trans* Körper als medizinisch-technologische Artefakte (Gleeson/O’Rourke 2021, Gill-Peterson 2018a). Liegt ein zentraler Impuls der Trans Studies in der Kritik an der zweigeschlechtlichen Normierung von trans* Körpern (Spade 2006), haben insbesondere antirassistische und inter* Perspektiven auf die intersektionalen Verflechtungen in der bio_nekropolitischen Konstitution von geschlechtlichen, dis_ableisierten und rassifizierten Körpern hingewiesen (Snorton 2017, Wolff et al. 2022).

In diesem Zuge schlagen Trans Studies vor, die Herstellung von verkörpertem Geschlecht als einen Prozess von „complex social and technical manipulations“ (Enke 2012) zu denken, verkörperte Subjektivität und Erfahrung als sozial-technologisch konstituiert zu begreifen (Stryker/Sullivan 2009) und zugleich verkörperte trans* Erfahrungen als Quelle von Erkenntnis gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu begreifen (Mader 2023). Vor diesem Hintergrund wurde und wird in den Trans Studies um epistemologische Zugänge gerungen, verkörperte Erfahrungen zu beforschen. Trotz verschiedener Divergenzen und Konfliktlinien teilen die Trans Studies dabei kritische Anliegen, die in feministischen Auseinandersetzungen rund um den Begriff der Erfahrung diskutiert wurden. Im Zuge poststrukturalistischer Verengungen des Erfahrungsbegriffs plädieren sowohl feministische Autor*innen als auch Autor*innen der Trans Studies neben neo-materialistischen Perspektiven (Barad 2015, Gregor 2020) auch für eine Verflechtung genealogischer Perspektiven und (post-)phänomenologischer first person accounts, um widerständige Potentiale und Erfahrungen an den Grenzen herrschender Episteme sichtbar zu machen (Oksala 2013, Rubin 1998). Damit tragen sie der Einsicht Rechnung, dass die Arten und Weisen, wie Körper in der herrschenden Wissensordnung denkbar werden, eng mit der Konstitution spezifischer Subjektpositionen, wie etwa der Subjektposition Trans/gender/sexualität verflochten sind (Gill-Peterson 2018b), verkörperte Erfahrungen dabei jedoch gleichsam über die Grenzen der Wissensordnung hinausweisen können (Bauer 2015, Stryker 1994).

In unserem zweitägigen Workshop Körper und Interviewforschung – Perspektiven für die Trans Studies wollen wir gemeinsam verschiedene Zugänge zum Körper, zum Erfahrungsbegriff sowie zur Bedeutung verkörperter Erfahrung in der Interviewforschung diskutieren und in den Dialog bringen. Ziel ist es, kritische Forschungsperspektiven auf Körper und verkörperte Erfahrung für empirische Untersuchungen in den Trans Studies zu entwickeln.

Hierfür ist der Workshop als zweitägige Veranstaltung angelegt. Am ersten Tag (22.10.26) möchten wir in einem öffentlichen Teil ausgehend von unseren aktuellen Arbeiten ausgewählte Texte feministischer und (post)phänomenologischer Zugänge zu (trans*) Körpern, verkörperter Erfahrung und verkörperter Forschung diskutieren. Im Fokus steht dabei die Frage, wie sich aus theoretischer und methodologischer Perspektive verkörperten Erfahrungen angenähert werden kann. Ziel ist es, das Potential dieser Zugänge für die Trans Studies kritisch zu diskutieren und mögliche Anschlusspunkte zu entwickeln.

Am zweiten Tag (23.10.26) möchten wir als geschlossene Forschungswerkstatt zu Körper und Interviewforschung aus Trans Perspektive arbeiten. Wir laden hierfür (Nachwuchs-)Forschende aus den Trans Studies ein, ihre aktuellen Arbeiten und Zugänge zu Körper und Interviewforschung vorzustellen und in einem solidarischen und geschützten Raum gemeinsam zu diskutieren. Dabei freuen wir uns sowohl über die Diskussion an konkretem Forschungsmaterial, sowie über methodologische, epistemologische und theoretische Zugänge. Während interviewbasierte Zugänge im Fokus stehen, geht es uns ebenso darum, diese kritisch um andere ‚Material-‘ und Erhebungsformen, sowie Repräsentationsmodi mit Schwerpunkt auf Körpern zu erweitern. Eingeladen sind insofern methodische, epistemologische und theoretische Beiträge aus den Trans Studies, die sich mit und über Interviews hinaus mit Körpern und verkörperten Erfahrungen auseinandersetzen.

Wir freuen uns sowohl auf Beiträge als auch auf interessierte Anmeldungen zur Teilnahme für beide Termine. Für eine Teilnahme für den ersten Tag genügt eine formlose Anmeldung bis 30.09.2026 an zoe.steinsberger student.uibk.ac at und jannis.ruhnau uni-bielefeld de. Für eine Teilnahme an der Forschungswerkstatt am zweiten Tag freuen wir uns sehr auf Abstracts für Beiträge à 1500-2000 Zeichen. Weiter freuen wir uns über Anmeldung zur Teilnahme ohne eigenen Beitrag. Um einen geschützten und konstruktiven Austausch zu ermöglichen, bitten wir in diesem Fall um eine kurze Stellungnahme zur Motivation für die Teilnahme (ca. 1000 Zeichen). Einreichungen der Abstracts und Anmeldung zur Teilnahme ohne eigenen Beitrag bitte bis 31.07.2026 an zoe.steinsberger student.uibk.ac at und jannis.ruhnau uni-bielefeld de.

Leider können keine Unterkunfts- und Anfahrtskosten übernommen werden. Der Raum ist mit Rollstuhl zugänglich. Hauptarbeitssprache der Workshops ist deutsche Lautsprache, wobei einrelevanter Teil der Lektüre für den ersten Tag englischsprachig ist. Präsentationen und Diskussionsbeiträge sind auch in englischer Lautsprache willkommen.

Date di pubblicazione:

06 luglio 2026

Scadenza:

31 luglio 2026