Workshop der Regesta Imperii, Teilprojekt Ludwig der Bayer an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz am 29. und 30. September 2026
Women doing dynasty? – Frauen in der Dynastiebildung der „Wittelsbacher“ im 14. Jahrhundert
Die Geschichtsschreibung zu mittelalterlichen Adelsgeschlechtern bedient sich gern der abschließenden Formulierung: „im Mannesstamm erloschen“. Damit wird der Eindruck vermittelt, eine Familie mit all ihren Angehörigen, Rechten und Besitztümern sei schlichtweg verschwunden, während über verbliebene Töchter, Schwestern, Schwägerinnen oder Witwen häufig der Mantel des Schweigens fällt.
Indes bestehen die sozialen Verbände, die seit dem 18. Jahrhundert als „Dynastien“ bezeichnet werden[1], gut zur Hälfte aus Frauen, deren Rolle sich mitnichten auf das Gebären von männlichen Erben beschränkte. Die jüngere mediävistische Forschung hat deutlich gemacht, dass adelige Frauen vielfach als Vermittlerinnen in Heiratsprojekten, Fürsprecherinnen ihrer Kinder in (erb-)rechtlichen Angelegenheiten, Repräsentantinnen ihrer Häuser oder Gestalterinnen der familiären memoria in Erscheinung traten. Sie trugen damit maßgeblich zur Ausformung von Regeln und Ansprüchen ihres Verwandtschaftsverbandes und damit zur „Dynastiebildung“ bei. Gezielt wurde dynastisches Handeln von Frauen bisher allerdings vor allem von der Frühneuzeitforschung in den Blick genommen.[2]
Demgegenüber erscheint dieser Aspekt für das Spätmittelalter, insbesondere die 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts, weniger gut untersucht, obwohl sich gerade die Verwandtschaftsverbände der römisch-deutschen Herrscher dieses Zeitraums dafür anbieten. Die Luxemburger, Habsburger und Wittelsbacher gelten als die prägenden Dynastien des 14. Jahrhunderts, die Vergrößerung der „Hausmacht“ als wesentliche Triebfeder ihrer Politik. Besonders für die Angehörigen des Hauses Bayern – die erst deutlich später als „Wittelsbacher“ bezeichnet werden[3] – scheint diese Zeit, die voller innerfamiliärer Konflikte, Teilungen, Einungen und Erbfolgeregelungen (wie beispielsweise der Hausvertrag von Pavia) war, eine bedeutsame Phase der Dynastiebildung darzustellen. Die Rolle von Frauen wurde dabei bisher kaum untersucht, obwohl beispielsweise das Emporkommen Ludwigs IV. zum römischen Kaiser nicht zuletzt auf die Unterstützung durch seine Mutter, Mechthild von Habsburg, gegen Ansprüche seines älteren Bruders Rudolf I. zurückgeführt wird.[4]
Um der Dynastiebildung des Hauses Bayern näherzukommen und zugleich eine neue Forschungsperspektive – weg vom „Mannesstamm“ hin zu den weiblichen Verästelungen einer „Dynastie“ – einzunehmen, veranstaltet die Arbeitsstelle Ludwig der Bayer der Regesta Imperii am 29. und 30. September 2026 einen Workshop an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Der Schwerpunkt soll dabei auf Frauen des „Hauses Bayern” und seines Umfelds im 14. Jahrhundert liegen, wobei bewusst offen gelassen ist, wo eine Zugehörigkeit zu den „Wittelsbachern” beginnt bzw. endet: Von Töchtern und Schwestern der bayerischen Herzöge über Ehefrauen, Witwen und Schwägerinnen zu Bediensteten oder Gattinnen von Getreuen. Auch Vergleichsbeispiele aus anderen zeitlichen und räumlichen Kontexten sind willkommen. Neben Studien auf der Basis von Urkunden und chronikalischen Quellen bieten sich auch Untersuchungen von Grabmälern, Siegeln, Wappen und Münzen an.
Wir laden HistorikerInnen und Forschende benachbarter Disziplinen herzlich ein, bis zum 31. März 2026 Vorschläge für einen 20-minütigen Vortrag einzureichen (max. 300 Wörter).
Date de publication:
19 janvier 2026
Délai:
31 mars 2026
Thèmes:
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