Seit 2010 erfahren Fragen der sexualisierten Gewalt in pädagogischen Einrichtungen insbesondere in der auf Deutschland bezogenen Forschung verstärkt Aufmerksamkeit und haben einen „Dominoeffekt“ (Brachmann 2019) in der Forschung ausgelöst. Einen herausgehobenen Stellenwert für die Erziehungs- und Bildungsgeschichte hat in diesem Kontext die Reformpädagogik eingenommen (u.a. Oelkers 2011; Dudek 2012; Brachmann 2019; Keupp et al. 2019; Glaser 2021). Von besonderer Relevanz sind dabei die Perspektiven und Erfahrungen der Betroffenen (ex: Miller/Oelkers 2014; Mehrick 2018, 2019; El Boujavenir 2014; Katsch 2020; Barth/Katsch 2024; Täubrich 2024). In den Fokus geraten sind darüber hinaus auch Aspekte der Disziplingeschichte und damit einer Disziplin, die für Frage von Erziehung und Bildung zuständig ist (Amesberger/Halbmayr 2023). Aber auch international ist Aufarbeitung ein sichtbares Forschungsfeld geworden, insbesondere durch Aufarbeitungen im Kontext der katholischen Kirche, so dass von einem „age of inquirey“ die Rede ist (Swain/Wright/Sköld 2017), oder beispielsweise durch die disziplinorientierte Auseinandersetzung um die Schweizer Sonderpädagogik für den Fall „Jegge“ (Miller/Oelkers 2018).
(Bildungs-)Historische Kontexte werden dabei immer wieder berührt, stehen teilweise auch im Mittelpunkt, weil sie für die Aufarbeitung von Gewalterfahrungen in pädagogischen Beziehungen und Institutionen relevant sind. Zugleich akzentuiert Aufarbeitung die Rechte und Perspektiven von Betroffenen und damit die Unabgeschlossenheit jedes Aufarbeitungsprozesses. Dies rahmt die historische Perspektive mit Blick auf die Folgen für Betroffene und die aktuelle Verantwortung von pädagogischen – aber auch von psychologischen, religiösen und juristischen – Einrichtungen und Organisationen. Auf der Tagung wird der Fokus der historischen Forschung zu (sexualisierter) Gewalt zeitlich weiter gefasst und (bildungs-)historische Perspektiven sollen zugleich gegenüber der bisherigen Aufarbeitungsforschung vertieft werden. Die Beiträge sollen sich auf den historischen Zeitraum vom 18. Jhd. bis heute beziehen, so dass Gewalt hier als eine besondere „Konstellation der Moderne“ (Reemtsma 2013) gefasst wird.
Date de publication:
07 janvier 2026
Délai:
28 février 2026
Thèmes:
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