Soziale Reproduktion: Zur Systemrelevanz von Care-Arbeit, Familienarbeit und Freiwilligkei

Seit der Finanzkrise von 2008 befasst sich die Sozialwissenschaft wieder intensiver mit der gesellschaftlichen Bedeutung unbezahlter (oder unterbezahlter) Arbeit in der Kinderbetreuung, Hausarbeit, Pflege und Nachbarschaftshilfe. Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Frühling 2020 rief schlagartig die sogenannte Systemrelevanz dieser Tätigkeiten ins öffentliche Bewusstsein. Das führte zu einer breiteren, politischen Debatte über die gesellschaftliche Arbeitsteilung. Wie die Arbeitsstatistiken zeigen, werden Tätigkeiten im Bereich der sozialen Reproduktion nämlich nach wie vor hauptsächlich von Frauen verrichtet. Das hat Auswirkungen auf die Gleichstellung, den Arbeitsmarkt und die Sozialversicherungssysteme in wohlhabenden Gesellschaften. Zudem haben sich seit den 1990er-Jahren global care chains, globale Arbeitsverhältnisse im Bereich der sozialen Reproduktion, etabliert, die kaum reguliert und schwer zu kontrollieren sind.

In diesem Seminar befassen wir uns mit der wissenschaftlichen Thematisierung sozialer Reproduktionsarbeit. Was besagt der Begriff «soziale Reproduktion»? Aus welcher Theorietradition stammt er? Seit wann sind diese Tätigkeitsbereiche Gegenstand wissenschaftlicher Forschung? Wie sind sie ins Schlaglicht öffentlicher Debatten gelangt? Auf welche theoretischen Grundlagen stützt sich die aktuelle Beschäftigung mit Familienarbeit und Freiwilligkeit? Mit welchen praktischen Implikationen?

Semesters:

Stufe:

MA

ETCS:

3

Tipo di scuola superiore:

UH