«Where are the women architects?», fragt die Architekturhistorikerin Despina Stratigakos in ihrer gleichnamigen Monografie (2016). Viele Frauen, die als Partnerinnen, als Designerinnen und Bauzeichnerinnen in Architekturbüros gearbeitet haben, bleiben in einer Geschichtsschreibung, die sich nach wie vor auf das Genie, die (meist männliche) Büroleitung oder den Einzelgänger konzentriert, unsichtbar. In der Praxis ist jedoch klar: Architektur ist fast immer ein kollaborativer Prozess eines Teams/eines Büros und hier partizipier(t)en Frauen aktiv an den architektonischen Lösungsentwürfen. Häufig fällt die Sichtbarkeit oder das «Entdecken» von Architekt*innen jedoch mit herausragenden Leistungen zusammen, wie beispielsweise im Fall von Zaha Hadid, die –stellvertretend– als eine der wenigen Frauen zu den Stararchitekten des ausgehenden 20. und 21. Jahrhunderts zählte. Was sind also die Gründe, dass so viele Frauen keinen Platz im architekturhistorischen Kanon fanden und finden? Und wie lässt sich die Architekturgeschichte und dabei auch die Architektur jenseits dieses tradierten Kanons denken?
Die andere zentrale Frage, die immer wieder formuliert wird, nämlich «Bauen Frauen anders?», stellte 2017 bezeichnenderweise Niklas Maak in der FAZ. Sollten Architekturentwürfe von Frauen als gegenderte und damit grundsätzliche andere Lösungen auf Raum- und Umweltfragen gelesen werden oder eben nicht? Welche neuen Perspektiven haben feministische Architekturforscher*innen und raumtheoretische Untersuchungen in den Gender Studies seit den 1970er Jahren entwickelt?

Das Proseminar widmet sich Frauen in der Rolle von Architektinnen, Planerinnen, Designerinnen und Bauherrinnen, von Teampartnerinnen, ebenso wie von Architekturhistorikerinnen und Kritikerinnen. Wir diskutieren Lebensläufe, Machtstrukturen und Ausschlussmechanismen. Ausserdem werden wir Ausstellungen analysieren, die einen wichtigen Beitrag leistet(en), um Frauen im Feld der Architektur sichtbar zu machen, aber wiederum nicht frei davon sind, singuläre Narrative und neue Kanons zu produzieren.

Dem Thema des Proseminars liegt eine intensive Auseinandersetzung mit den Methoden der Architekturgeschichte und der Architekturgeschichtsschreibung zugrunde: Hierfür werden wir (historische) Schlüsseltexte der feministischen Kunst- und Architekturgeschichte lesen, wie auch Texte zu Forschungsansätzen der Intersektionalität, der ethnografischen/anthropologischen Forschung und der Gender Studies, um den Kanon der Architektur(geschichtsschreibung) kritisch zu hinterfragen und alternative Fragestellungen und Schwerpunkte für die eigene kunsthistorische Arbeit zu entwickeln.

Semestri:

Livelli:

BA

Discipline:

ETCS:

6

Materie:

Storia dell'Arte

Tipo di scuola superiore:

Università