Sorgende Männer?

Call for Papers der Zeitschrift Gender: Sorgende Männer? Perspektiven der Geschlechterforschung auf Männlichkeit und Care

Die Übernahme von unbezahlter sowie bezahlter Sorgearbeit durch Männer ist nicht nur aus einer Gleichstellungsperspektive, sondern auch in Anbetracht der sich verschärfenden Care-Krise von Bedeutung. Gerade unter der Corona-Pandemie gewinnt die Frage an Brisanz, wer aus welchen Motiven und unter welchen Bedingungen gesellschaftlich notwendige Betreuungs- und Sorgeaufgaben übernimmt. Tatsächlich steigt der Anteil männlicher Beschäftigter in den traditionell frauendominierten Care-Berufen und auch im Privaten übernehmen Männer häufiger Sorgeverantwortung. Aber welche Männer sind es, die Care-Berufe ergreifen oder häusliche Sorgearbeit übernehmen und welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus für die Care-Debatte ziehen?
Der Heftschwerpunkt fragt danach, was sich im Care-Sektor und in der häuslichen Sorgearbeit verändert, wenn Männer in höherem Maße Care-Tätigkeiten ausüben. Welche Bedeutung hat die Präsenz von Männern in sozialen Berufen und inwiefern transformieren sich dadurch etablierte Berufsbilder und stereotype Kompetenzzuschreibungen? Wie rahmen Männer Sorgearbeit und wie integrieren sie diese in ihr Selbstkonzept? Kommt es durch sie zu einem Wandel hegemonialer Geschlechtervorstellungen?

Gefragt wird weiterhin, welche soziostrukturellen Gegebenheiten die Übernahme von Care-Tätigkeiten begleiten und wodurch Care-Arbeit für Männer attraktiv wird? Aus einer intersektionalen Perspektive interessiert zudem, welche Merkmale etwa hinsichtlich Migration, sozialer Klasse oder Alter in Bezug auf Männer als Care-Arbeitende deutlich werden. Im Themenheft sollen darüber hinaus Beiträge Platz finden, die sich aus einer kultur-, medien- oder literaturwissenschaftlichen Perspektive mit Männlichkeit und Care beschäftigen.

Mögliche Themen und Fragestellungen im Einzelnen

  • Welche Faktoren beeinflussen die Übernahme von Sorgearbeit durch Männer?
  • Wie wird die Ausübung von Sorgearbeit von Männern erlebt? Welche Rolle spielen Körperlichkeit und Emotionalität, etwa Gefühle der Scham oder des Ekels?
  • Wodurch erhöht sich der Anteil von Männern in Care-Berufen?
  • Welche Zugangsschwierigkeiten und Herausforderungen lassen sich für Männer im Bereich Care konstatieren? Welche Forschungsdesiderate hinsichtlich einer intersektionalen Analyse sind ersichtlich?
  • Verändern sich Debatten im Kontext von Care-Arbeit, wenn sich das Geschlechterverhältnis in Care-Berufen verschiebt oder sich der Gender Care Gap verringert?
  • Welche politischen Forderungen und Perspektiven lassen sich bezogen auf das Verhältnis von Männern und Care-Arbeit formulieren? Welche Ansätze eignen sich oder bedürfen einer kritischen Revision?

Wir bitten um die Einreichung eines ein- bis zweiseitigen Abstracts bis zum 24. Januar 2021.

Pubblicazioni:

30 novembre 2020

Scadenza:

24 gennaio 2021