Trans* und Inter*Geschlechtlichkeit in Erziehung und Bildung

Herausgeber*innen: Prof. Dr. Marita Kampshoff (PH Schwäbisch Gmünd) Prof. Dr. Bettina Kleiner (Goethe-Universität Frankfurt) Prof. Dr. Antje Langer (Universität Paderborn)

Thematische Rahmung: Mit dem Eintrag von ‚divers‘ in das Personenstandsregister im Jahre 2018 in Deutschland und der Möglichkeit in Österreich seit 2019, den Geschlechtseintrag offen zu lassen, wird das kulturelle System der Zweigeschlechtlichkeit im deutschsprachigen Raum nun auch rechtlich erweitert. Dies geschieht 300 Jahre nachdem sich eine „Polarisierung der Geschlechtscharaktere“ (zunächst für das europäische Bürgertum) durchgesetzt hat. Und immerhin sind auch schon 30 Jahre vergangen, seitdem Judith Butlers ‚Unbehagen der Geschlechter‘ mit dem damals viel diskutierten Befund erschien, dass auch geschlechtliche Körper performativ hervorgebracht werden. Seit den 1980er Jahren und insbesondere im Zusammenhang mit politischen Aktivismen, Verbänden und Selbsthilfegruppen hat sich das Feld der Zugänge zu trans*- und inter*geschlechtlichen Leben zwar ausdifferenziert, jedoch existieren nur vereinzelt Veröffentlichungen, die Trans*- und Inter*Geschlechtlichkeit im Zusammenhang mit Erziehung und Bildung erläutern.

Trans*- und Inter*Studies gemeinsam ist die Verbindung von Wissenschaft und Aktivismus/politischen Anliegen, die Kritik an normativer Zweigeschlechtlichkeit und Cis*Genderismus sowie die Forderung nach Selbstbestimmung in Bezug auf das eigene Geschlecht und bezogen auf den Zugang zu medizinischen Maßnahmen. Darüber hinaus verstehen sich beide Richtungen als Wissenschaftskritik und stellen die eigene Wirklichkeit der Leben von trans* und inter*geschlechtlichen Menschen in den Mittelpunkt. Gleichzeitig bilden trans* und inter*geschlechtliche Menschen keine homogenen Gruppen: Lebenslagen unterscheiden sich in Bezug auf die Interdependenzen von Geschlechtern und Sexualitäten, bezogen auf geopolitische und soziale Verortungen und damit verbundene Zugänge und Lebensmöglichkeiten, aber auch bezogen auf psycho-medizinische Regulierungen und Selbstverständnisse. Letztere können eine trennscharfe Unterscheidung von Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit wiederum auch in Frage stellen.

Erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf Lebensweisen von trans*- und inter*geschlechtlichen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, ihre biographischen Erfahrungen in Familie, mit Peers und in Bildungsinstitutionen sowie die Frage nach (sozial)pädagogischen Angeboten sind bisher kaum vorhanden. Auch historisch-systematische Zugänge zu Zusammenhängen von Trans*- und Inter*Geschlechtlichkeit mit Erziehung und Bildung fehlen bisher weitgehend. Geht man davon aus, dass im Zuge pädagogischer Maßnahmen Geschlechterwissen erzeugt, legitimiert und verhandelt wird, zeigt sich hier ein bedeutsames Desiderat. Diesem sollen sich die Beiträge dieses Jahrbuchs widmen.

Die vollständige Ausschreibung findet sich im Anhang.

Pubblicazioni:

22 marzo 2021

Scadenza:

15 agosto 2021