In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts finden einige erkenntnistheoretisch bedeutsame Veränderungen statt, die für die Entwicklung der Life Sciences im 19. Jahrhundert richtungweisend sind: Statt von "Lebewesen" wird zunehmend von "Leben" gesprochen. Im Zuge der Debatte um den Begriff Lebenskraft wird die Unterscheidung zwischen "organischen" und "unorganischen" Körpern eingeführt. Das Experiment am lebenden Tier wird endgültig unverzichtbar, die Forschung zunehmend technisiert. Neue Spezialgebiete differenzieren sich aus - die komparative Anatomie, die sich dem Vergleich von Mensch, Tier und Pflanze widmet, entwickelt erste evolutionstheoretische und rassenbiologische Theorien. Pflanzen- und Tierchemie werden durch gänzlich neue Instrumente zur Bestimmung von Gasen revolutioniert, so dass eine molekulare Perspektive in Physiologie, Biochemie und Medizin (Zelltheorie) Einzug hält. Animalische Elektrizität oder animalischer Magnetismus schaffen neue Medizinfelder. Zugleich entsteht eine experimentelle Physiologie, die sich von ihren medizinischen Wurzeln immer weiter entfernt. Zwischen Heilversprechen, Leistungssteigerung und Körperkult changierend kann diese ihren Einfluss im Verlaufe des 19. Jahrhunderts stetig vergrössern. Technische Eingriffe zur Verbesserung des menschlichen Körpers werden realistischer und die Life Sciences zur paradigmatischen Wissenschaft der Industriegesellschaft.

Lernziele

Die Veranstaltung ist der zweite Teil einer auf mehrere Semester angelegten Vorlesung, die das Ziel verfolgt, einen Einblick in die Entstehung der modernen Life Sciences vom 17. bis zum 20. Jahrhundert zu geben. Eine Teilnahme im ersten Semester ist nicht notwendig. Beide Vorlesungen sind in sich abgeschlossene Veranstaltungen.

Semesters:

Stufe:

BA

Disziplinen:

Institutions:

ETCS:

3

Domaines:

Histoire

Type de haute école:

UH