Behinderung und Sexualität – Beiträge zu einem professionellen Umgang mit dem Thema im Praxisfeld der Behindertenhilfe

Sexualität ist ein existenzielles Moment, ein zentraler und fundamentaler Lebensbereich menschlichen Daseins. Mit Sexualität werden Aspekte wie Identität, Lebensenergie, Körperlichkeit, Entwicklung, biografische Aspekte, Lust und Frust assoziiert. Für Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen bleibt dieses – für nichtbehinderte Menschen so selbstverständliche – Recht in vielfältiger Art und in verschiedenster Hinsicht eingeschränkt oder gar ganz verwehrt: Einerseits sehen sich diese Menschen mit Ignorieren, Verboten, Tabuisierungen, Ausblendungen bis hin zu medikamentösen Verhinderungsversuchen ihrer Sexualität konfrontiert, anderseits erleiden sie körperliche Übergriffe, sexuelle Ausbeutung und Vergewaltigungen – oft ohne die geringste Möglichkeit, sich zu wehren, sich zu schützen, sich zu äussern, angehört und verstanden zu werden. Menschen, die in stationären Settings leben, sind hinsichtlich ihrer Sexualität mit vielfachen Einschränkungen und Barrieren konfrontiert. In diesem Zusammenhang wird daher von einer «hospitalisierten Begrenzung von Sexualität» gesprochen. Einrichtungen der Behindertenhilfe sind nachgewiesenermassen Hochrisikobereiche für fachliches Fehlverhalten und sexualisierte Gewalt. Im Wahlmodul Behinderung und Sexualität sollen die Teilnehmenden befähigt werden, Menschen mit Beeinträchtigungen die Entwicklung und das Leben einer möglichst selbstbestimmten Sexualität zu ermöglichen. Sie lernen auch, sich als Professionelle zu reflektieren und ihr Handeln entsprechend auszurichten. Weiter wird dem Verstehen der Lebens- und Entwicklungssituation von Menschen mit Beeinträchtigung hinsichtlich ihrer Bedürfnisse und Möglichkeiten, ihre Sexualität verantwortungsvoll und möglichst selbstbestimmt zu leben, Rechnung getragen. All dieses Wissen soll dann in Form von professioneller Begleitung, Reflexion, Konzeption und Weiterentwicklung des gesamten Dienstleistungsangebotes in die eigene Praxis der Teilnehmenden einfliessen. Das Wahlmodul behandelt nicht nur die Grundlagen und Methoden der sexuellen Bildung im weiteren Sinn, auch das Thema sexuelle Ausbeutung und sexualisierte Gewalt sowie Präventions- und Interventionsmöglichkeiten werden aufgezeigt.

Semesters:

Stufe:

BA

Disziplinen:

ETCS:

3

Domaines:

Travail social

Type de haute école:

FH