Lern-Ziele

Die Studierenden kennen:

  • die Kategorie Geschlecht und den Begriff der Familie
  • die Verteilung von Erwerbs‑ und Familienarbeit in der heutigen Schweiz
  • Theorie und Empirie zu Vaterschaft und ʹneuen Väternʹ
  • die historisch geprägten Normen zu Familie, Vaterschaft, Mutterschaft und Elternschaft
  • die Einstellung von Männern zu Kinderwunsch und Vaterschaft
  • grundlegende qualitative Forschungsmethoden und Interviewtechniken

Die Studierenden können:

  • selbständig ein problemzentriertes Interview führen
  • ein qualitatives Interview auswerten

Veranstaltungs-Inhalt

Seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert verändert sich in westlich geprägten Gesellschaften das Verständnis von Vaterschaft merklich. War bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine patriarchale Vaterrolle die Norm und der Mann in einem Ehe‑Verhältnis auch juristisch der Vorsteher der Familie, so hat sich seither in den Geschlechterverhältnissen vieles getan. Im Kontext gesamtgesellschaftlicher Veränderung wie der Emanzipation und Gleichstellung der Frau, der Prekarisierung von Erwerbsarbeit und dem Übergang der Industriegesellschaft in Dienstleistungsgesellschaften ändert sich auch das Verständnis von Vaterschaft, Mutterschaft und Familie. Das Ein‑Ernährer‑Hausfrau‑Modell, das nach dem 2. Weltkrieg das vorherrschende Erwerbsmodell gewesen war, wird in der heutigen Schweiz nur noch von einer Minderheit der Familien gelebt. Heute dominiert das Ernährer‑Zuverdienderinnen‑Modell. Doch nicht nur im Verhältnis von bezahlter Erwerbsarbeit zu unbezahlter Care‑Arbeit sind Veränderungen auszumachen, viele heutige (junge) Väter betonen, aktive Väter sein und eine gute Beziehung zu ihren Kindern aufbauen zu wollen. Gleichzeitig lässt sich auch heute bei jungen Männern eine Erwerbszentriertheit feststellen. In diesem Kurs gehen wir Verständnisweisen von Vaterschaft im 21. Jahrhundert nach. Wir fragen, welche Chancen, aber auch welche Konfliktpotentiale das heutige Vaterschaftsverständnis mit sich bringt. Um diese Fragestellung anhand eines konkreten Beispiels zu analysieren, interviewen die Studierenden im Lauf des Kurses heutige Väter von kleinen Kindern.

Veranstaltungs-Struktur und Lehr-/Lerndesign

Semesterbegleitend, zweistündig: Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen des Kurses.

Blockkurs im Break im Team‑Teaching: Vertiefung der Theorie; Erlernen qualitativer Methoden für die Interview‑Führung. Durchführung der Interviews.

Präsentation der Interviews in Gruppen nach dem Break an einem zusätzlichen Blocknachmittag.

Das Kontextstudium ist der Form nach Kontaktstudium; zum ordnungsgemässen Besuch der Veranstaltung gehört daher dieregelmässige Teilnahme. Die Studierenden müssen selbst darauf achten, dass sich Veranstaltungstermine nicht überschneiden.

Semesters:

Level:

MA

Disciplines:

ETCS:

6

Subjects:

Gender Studies, Kulturwissenschaften

University Type:

UH