Gender, Sozialisation und geschlechtersensible Pädagogik

Individuum und Lebenslauf 3.4
Gender, Sozialisation und geschlechtersensible Pädagogik

Die Einteilung der sozialen Welt in „weiblich“ und „männlich“ und die Zuordnung von Individuen mittels der zweigeschlechtlichen Kategorisierung, gehört zu den wirkmächtigsten Einrichtungen vieler Gesellschaften.
Die Frage, zu welcher Geschlechter-Kategorie von Menschen ein Individuum gehört, wird nicht selten schon vor der Geburt beantwortet und spielt eine zentrale Rolle bei der Namensgebung für ein Baby. Die Zuordnung zu einem der beiden Geschlechter beeinflusst die Reaktionen sowohl der frühen Bezugspersonen wie auch die sozialen Prozesse in allen weiteren sozialen Konstellationen. Sie beeinflusst die Entwicklung der Persönlichkeit sowie der Vorlieben und Fähigkeiten junger Menschen. Die Ordnung der Welt nach Geschlechtskategorien zeigt sich zumindest auf drei Ebenen:
a) Symbolik. Beispiel: geschlechtsspezifische Helden und Heldinnen in Kindermedien ((Hello Kitty; Spiderman)
b) Strukturen. Beispiel: «Frauenberufe» (Kindergärtnerin) und «Männerberufe» (Maurer)
c) Kommunikationsprozesse. Beispiel: Eine Mutter fragt: «Kann ich meinem Sohn Mario rosa Finken kaufen?»

Trotz vieler Fortschritte in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter erkennen wir heute, dass Veränderungsprozesse in den Vorstellungen und Erwartungen nicht einfach von selbst, als Folge des gesellschaftlichen Wandels, geschehen. Hier bestehen die Notwendigkeit und die Chance im Bereich von Erziehung und Bildung. Anliegen und Ziel einer geschlechtersensiblen Pädagogik bestehen darin, allen Kindern, unabhängig von Geschlechtsstereotypen, den Zugang zu Aktivitäten und Kompetenzen möglichst vieler Bereiche zu öffnen.
Genaue Beobachtungen der Gender-Prozesse in Institutionen für junge Kinder helfen, gezielte Veränderungen einzuleiten. Inwiefern tragen Lehrpersonen durch die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern zum „doing gender“ bei? Wie können Unterrichtsräume so gestaltet werden, dass alle Kinder, unabhängig von ihrem Geschlecht, gleichen Zugang zu allen Lernbereichen haben und entsprechende Erfahrungen machen und Kompetenzen entwickeln können? Wie werden die Geschlechter in Kinder- und Unterrichtsmedien dargestellt und wie sind Frauen und Männer repräsentiert?

Semesters:

Level:

BA

ETCS:

2

Subjects:

Pädagogik

University Type:

PH