Vom Dienstmädchen zur Care-Migrantin: Dienst im Haushalt 19.-21. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert gehörte sowohl im Kleingewerbe, wie auch im gehobenen Bürgertum Dienstpersonal zum Haushalt dazu. Jungen Frauen aus ländlichen Gegenden ermöglichte eine Anstellung als Dienstmädchen ein kleines eigenes Einkommen. Um die Wende zum 20. Jahrhundert formierten sich um die Dienstmädchen urbane Legenden ihrer besonderen Anfälligkeit für die Prostitution. Und politische Debatten rund um den Dienst thematisierten dessen angebliche Rückständigkeit. Zugleich wurden Dienstmädchen immer knapper: war der Beruf durch bessere Arbeitsbedingungen zu retten? Oder war er ein traditionaler Überrest und ohnehin dem Verschwinden geweiht? Das 20. Jahrhundert schien plötzlich ohne professionelle Hausarbeit auszukommen: Die Hausfrau der 50er Jahre präsentiert in der Werbung ihren Staubsauger und ihre Waschmaschine. Sind die Dienstmädchen in dieser Zeit wirklich verschwunden? Gleichstellungspolitik und eine zunehmende Erwerbstätigkeit der Frauen brachten die Frage der Hausarbeit Ende 20. Jahrhundert erneut aufs Tapet – unter dem Vorzeichen der Vereinbarkeitsfrage. Altenpflege, Kinderbetreuung und Reinigungsarbeit wurde vermehrt von Migrantinnen unter prekären Arbeitsbedingungen erledigt. Die Übung wirft einen Blick auf die Geschichte der professionellen Haus- und Sorgearbeit. Sie beleuchtet auf diesem Weg verschiedene methodische Herangehensweisen auf dieses Thema: von sozialgeschichtlicher Kategorienbildung über alltagsgeschichtliche Nahaufnahmen, geschlechtergeschichtliche Analysen bis zu transnationalen Perspektiven. Die Übung richtet sich an Studierende mit hohem Interesse an methodischen Fragen und theoretischer Reflexion.

Semesters:

Stufe:

BA, MA

Institutionen:

ETCS:

5

Fächer:

Geschichte

Hochschultyp:

UH