Intersektionale und transnationale Perspektiven auf Care-Arbeit

Die Corona-Pandemie hat die Gesellschaft ein stückweit auf das zurückgeworfen, was in 'normalen' Zeiten häufig wenig Beachtung findet: auf Care – bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit. Auf einmal galt das Kümmern, Sorgen und Pflegen im öffentlichen Diskurs als systemrelevante Tätigkeit. Gleichzeitig ist einmal mehr deutlich geworden, dass es im gesamten Care-Sektor an zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcen fehlt. Die Löhne und Arbeitsbedingungen sind im Vergleich zu anderen Branchen schlecht, der grösste Teil der Sorge- und Versorgungsarbeit wird zudem unbezahlt geleistet. Geschlechterforscher*innen diagnostizieren eine sich verschärfende Care-Krise (vgl. Villa 2020) und weisen darauf hin, dass die Frage nach der gesellschaftlichen Organisation und Verteilung der Care-Arbeit im Zuge der Corona-Krise nochmals virulenter geworden ist. Inwiefern schon bestehende Ungleichheiten in Bezug auf Arbeitsteilung und Care sich während der Corona-Krise entlang von Geschlecht, 'race' oder Klasse weiter verschärft haben, das muss die laufende Forschung erst noch zeigen.

Wir analysieren diese aktuellen Umbrüche, die institutionellen Arrangements zwischen Markt, Wohlfahrtsstaat und dem 'privaten' Lebensbereich und deren Auswirkungen auf konkrete Lebens- und Arbeitsrealitäten. Nach einer Einführung in theoretische Konzepte der soziologischen Care-Forschung nehmen wir die sich zuspitzenden Sorgekonflikte in westlichen Arbeitsgesellschaften in den Blick und fragen danach, welche aktuellen Dynamiken sich in Bezug auf die gesellschaftliche Organisation von Care-Arbeit zeigen und wie sich diese auf die Lebensverhältnisse verschiedener sozialer Gruppen auswirken. Im zweiten Teil analysieren wir, wie diese Care-Krisen eingebettet sind in globale Ungleichheitsverhältnisse: Im Fokus stehen dabei transnationale Care-Arrangements, bei denen migrantische Care-Arbeiterinnen die Versorgungslücken kompensieren. Dabei interessiert insbesondere das Phänomen globaler Sorgeketten und des damit verbundenen Care-Extraktivismus (Wichterich 2018) sowie die Veränderung familiärer Beziehungs- und Geschlechterkonstellationen im Kontext der Migration.

Semesters:

Stufe:

BA, MA

Institutionen:

ETCS:

3

Fächer:

Soziologie, Gender Studies, Kulturanthropologie

Hochschultyp:

UH