Emotion und Geschichte: Transformationen der "Scham" in der Antike

Können "Gefühle" ein relevanter Gegenstand historischer Forschung sein? Wie lassen sich Emotionen von Menschen erfassen, die vor zwei Jahrtausenden lebten? Ausgangspunkt des Seminars ist die Debatte um "Gefühl" und "Erfahrung" als anthropologische Konstante oder sozio-kulturelle Konstruktion, die insbesondere in der Frauen- und Geschlechtsforschung seit den 1980er Jahren geführt wurde. Am Beispiel des "Scham"-Gefühls in antiken Gesellschaften werden wir uns einerseits mit Methoden auseinandersetzen, die versuchen, Emotionalität aus textuellen Quellenmaterialien zu erarbeiten. Andererseits wird das Seminar die Hypothese überprüfen, dass die breite gesellschaftliche Bedeutung von Scham in den polytheistischen Gesellschaften des Altertums sich unter dem Einfluss des Christentums zu einem auf das Individuum und sein sexuelles Handeln bezogenen Gefühl transformierte.

Die Studierenden wissen mit polythetischen Begriffen umzugehen, die in ihrem kulturellen Kontext zu verorten sind; sie verfügen über Grundkenntnisse der Methoden der Emotionsforschung und der Geschlechtergeschichte. Sie verfügen über die Kompetenz, diese Ansätze in eine kritische Lektüre und Analyse von antiken Texten umzusetzen und die Lektüreergebnisse im gemeinsamen Gespräch einzubringen.

Semesters:

Stufe:

BA, MA

Institutionen:

ETCS:

7

Fächer:

Geschichte

Hochschultyp:

UH