Emanzipation global. Das internationale Jahr der Frau 1975 in Osteuropa

Für das Jahr 1975 wurde von den Vereinten Nationen das «Internationale Jahr der Frau» ausgerufen. Gleichheit, Entwicklung und Frieden waren drei wichtige, übergeordnete Ziele, die auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene thematisiert und gestärkt werden sollten. Das Ereignis fand international Beachtung, bislang gibt es zu der Vorgeschichte, den Akteuren, Aktionen und Auswirkungen wenig Forschungen. Ein Desiderat ist zudem die Frage, wie die Länder Osteuropas das «Jahr der Frau» mitgetragen und umgesetzt haben. Im Sozialismus galten Gleichberechtigung und Friedenssicherung als selbstverständliche Grundlagen. Inwiefern spielten dann die thematischen Vorgaben eine Rolle? Wie war die Lage der Frauen in Osteuropa um 1975, welche Formen der Diskriminierung gab es und wo wurde darüber gesprochen? Passte die Politik für eine «glückliche Familie», so die damalige offizielle Haltung, zu Ideen von Emanzipation und Offenlegung von Diskriminierung? Es ist bekannt, dass das offizielle Frauenbild im Sozialismus formal die Gleichstellung propagierte, zudem aber sehr konservativ in Hinblick auf Weiblichkeits- und Männlichkeitsentwürfe war. Sowjetische, rumänische oder bulgarische Frauen – besonders der besser gestellten Eliten – legten sehr viel Wert auf individuelle Kleidung und eine gepflegte äussere Erscheinung, weshalb die Schönheitsindustrie ein wachsender Sektor war und es viele neue Kosmetiksalons gab. Wirkte sich das Jahr 1975 auf Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit aus? Gab es auf internationalen Treffen zwischen Frauen aus verschiedenen Ländern und falls ja, worum ging es und was hatte es für Konsequenzen? Welche Rolle spielten männliche Funktionäre in den Frauengremien? Und veränderte sich durch 1975 die Frauenpolitik in Osteuropa? Zudem soll im Seminar danach gefragt werden, welche Interdependenzen es zwischen globalen und nationalen Handlungen gab, zumal sich die Welt in einer bipolar gedachten Welt des Kalten Krieges befand. Das Seminar ist forschungsorientiert und muss zunächst Grundlagen erarbeiten, was auf der Basis von damaligen Quellen umgesetzt werden soll. Es versteht sich als Beitrag zur Globalgeschichte, zur Frauen- und Geschlechtergeschichte und zur Verflechtungsgeschichte Osteuropas. Ausser Englisch werden keine weiteren Fremdsprachenkenntnisse vorausgesetzt. Eine aktive Mitarbeit und Interesse an historischer Forschung wird erwartet.

Nachhaltigkeit:
Nachhaltig an der Lehrveranstaltung ist die Sicherung von internationalen Entwicklungen und Standards, hier allgemeinen Menschen- und Grundrechten.

Einführungsliteratur:
Jancar-Webster, Barbara. Women Under Communism. The Johns Hopkins Univ. Press, 1978.
Atkinson, Dorothy, und Alexander Dallin. Women in Russia. Stanford Univ. Press, 1977.

Semesters:

Stufe:

BA, MA

Institutionen:

ETCS:

7

Fächer:

Geschichte, Slavistik

Hochschultyp:

UH