Auf einem Auge blind. Den Genderphänomenen im Praxisfeld der Sozialen Arbeit auf der Spur

Internationale und nationale ethische Standards und Richtlinien der Sozialen Arbeit fordern Sozialarbeitende auf, Gerechtigkeit umzusetzen und Diskriminierung entgegenzutreten. Dazu gehören auch Diskriminierungen auf der Grundlage von Merkmalen wie dem sozialen oder biologischen Geschlecht. Zahlreiche empirische Studien verdeutlichen das immer noch vorhandene Ausmass von genderspezifischen Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen. Da offensichtliche Ungerechtigkeiten oft unwidersprochen hingenommen werden, stellt sich uns die Frage: «Besteht da allenfalls ein blinder Fleck?» Im Wahlmodul gehen wir dieser Frage nach, greifen Widersprüche kritisch auf und thematisieren Genderfragen auf struktureller und organisationaler Ebene (Soziale Arbeit als Organisation und Institution).

Wir beleuchten beispielsweise berufliche Statusunterschiede, mit welchen Sozialarbeiterinnen im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen im Hinblick auf Entlohnung und Aufstiegsmöglichkeiten konfrontiert sind und offensichtlich benachteiligt werden sowie genderspezifische Unterschiede in den Aufgabengebieten und Tätigkeiten. Das Modul sensibilisiert im Hinblick auf diese Genderthemen und vermittelt Genderkompetenzen. Modulinhalte Gender als Querschnittsthema in der Sozialen Arbeit wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet und den Studierenden ein differenzierter Zugang zum Thema ermöglicht. Die Inhalte lassen sich in drei Hauptzugänge gliedern: – Mittels eines historischen Zugangs wird beleuchtet, wie der Gender-Diskurs entstanden ist und wie er sich entlang der unterschiedlichen historischen Etappen (1. und 2. Welle der Frauenbewegung) weiterentwickelt hat. – Ein theoretischer Zugang soll aufzeigen, welche verschiedenen Erklärungsansätze, namentlich der Gleichheitsansatz, der Differenzansatz oder der (de-)konstruktivistische Ansatz, zur Erklärung der Verhältnisse zwischen den Geschlechtern existieren und auf welchen Argumentationslogiken sie aufbauen. Mit Konzepten wie Genderintegrität und Genderkompetenz werden mögliche Handlungsansätze beleuchtet. – Die Brücke zum Praxisfeld der Sozialen Arbeit wird hergestellt, indem veranschaulicht und diskutiert wird, wie sich diese gesellschaftlich konstruierten Verhältnisse in der Realität des Arbeitskontextes von Professionellen der Sozialen Arbeit abbilden. Der Fokus dieses Wahlmoduls liegt in der Betrachtung der Geschlechterverhältnisse innerhalb von Organisationen der Sozialen Arbeit. Einerseits werden in diesem Zusammenhang Unterschiede und Widersprüche im Arbeitsalltag der Sozialen Arbeit (wie beispielsweise Laufbahnplanung, Besetzung Führungspositionen, Lohnungleichheit) kritisch diskutiert. Andererseits werden Genderspezifika im zwischenmenschlichen Umgang miteinander, wie z.B. in Teamarbeit, kollegialem Austausch, Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden, Austausch mit anderen Fachkräften, Auftraggebenden usw., sichtbar und durch Übungselemente erfahrbar gemacht.

Semesters:

Stufe:

BA

Disziplinen:

ETCS:

3

Fächer:

Soziale Arbeit