Professionalisierung – oder Ökonomisierung? Ein feministisches Leseseminar für Frauen mit Tove Soiland, Philosophin und Historikerin

Ob Kleinkindererziehung, Pflege oder soziale Berufe: Professionalisierung scheint die Zauberformel für fast jedes Problem im Care-Sektor zu sein. Frauen erhofften sich von ihr, ihr Berufsfeld vom Stigma des „typischen Frauenberufs“ zu befreien, und sie versprachen sich von der damit verbundenen Akademisierung mehr Ansehen und einen besseren Lohn.
Die Realität allerdings sieht anders aus: Rückblickend müssen wir feststellen, dass die seit Beginn der 1990er Jahre verstärkt vorangetriebene Professionalisierung mit einer Ökonomisierung einherging: Mit der Professionalisierung hielt auch die Sprache des modernen Managements Einzug in die Care-Berufe. Mit indikatorenbasiertem Monitoring und Qualitätsmanagement wird den oftmals nur schwer zu beschreibenden Care-Tätigkeiten zu Leibe gerückt und ihnen so ein sachfremdes Korsett aufgedrückt. Dabei kommt die wissenschaftsgeleitete Standardisierung von Arbeitsabläufen eher einer Entprofessionalisierung gleich, denn sie entwerten das angeblich auf reiner Intuition gegründete Erfahrungswissen der Praktikerinnen.
Gleichwohl erfreuen sich diese neuen Steuerungsformen einer erstaunlich hohen Akzeptanz. Die Anrufung „wirtschaftlicher Rationalität“ scheint dabei als Gegenpol zur „diffusen weiblichen Arbeitsweise“ zu fungieren. So wird verstehbar, warum die Professionalisierung nicht nur mit der Übernahme moderner Managementtools einherging, sondern damit auch zur faktischen Unterstützung der Einführung marktwirtschaftlicher Prinzipien werden konnte. Das Seminar geht den feministischen Fallstricken dieser Entwicklung nach.

Das Seminar richtet sich explizit auch an Frauen, die bisher wenig oder keine Erfahrung im Umgang mit theoretischen Texten haben, sich aber gerne mit politischen Fragen beschäftigen wollen.

Zeit: 10 Abende: Donnerstags jeweils 19.00 bis 21.30 Uhr
Daten: 11. Jan., 25. Jan., 8. Feb., 1. März, 15. März, 5. April, 19. April, 17. Mai, 31. Mai, 14. Juni 2018

Kurskosten: Fr. 100.– für VPOD-Frauen, Fr. 250.– für Nicht-Mitglieder.

Ein Reader mit Texten wird verteilt und kostet Fr. 35.–.

Anmeldung bis 3. Dezember 2017 bei: Silvia Carsana, VPOD Zürich, Regionalsekretariat, Tel. 044 295 30 00 oder infovpod-zhch

Wann:

11. Januar 2018, 19.00 – 14. Juni 2018, 21.30

Wo:

VPOD Zürich, Birmensdorferstrasse 67, 5. Stock, 8004 Zürich

Disziplinen: