SGGF-Fachtagung "Violent Times, Rising Protests. Strukturen, Erfahrungen und Gefühle"

Die Fachtagung wird organisiert von der Schweizerischen Gesellschaft für Geschlechterforschung (SGGF). Die Keynotes sind öffentlich, eingeladen sind: Prof. Dr. Jack Halberstam (Columbia University) und Dr. Noémi Michel (Université de Genève).

Gewalt hat in der Geschichte der Moderne einen festen Platz. Allerdings wird die Welt in letzter Zeit von einer wachsenden Anzahl von Menschen als besonders gewaltvoll erfahren und wahrgenommen: Medien berichten permanent über andauernde Kriege, Hassreden machen sich in den sozialen Medien breit, die Zahl öffentlich auftretender «Wutbürger*innen» steigt, «Andere» und «Fremde» sind mit offenem Sexismus, Rassismus und Homophobie konfrontiert und nicht zuletzt ist sexuelle Gewalt präsenter denn je. Dies sind nur einige Beispiele, die die globale Omnipräsenz von verschiedenen Formen der Gewalt illustrieren: Sind diese Formen der Gewalt miteinander verknüpft und wenn ja, wie genau hängen sie zusammen? Wie lassen sie sich in ihrer teils verschränkten, teils unterschiedlichen historischen Entwicklung untersuchen? Und wie lassen sich deren konkrete Auswirkungen auf die Erfahrungs- und Gefühlswelten der Menschen fassen?

Gewalt ist nicht nur ein zentrales und strukturierendes Prinzip von Kategorien der Differenz (wie Geschlecht, Herkunft, Race, Sexualität oder Klasse), sondern auch ein zentrales Merkmal der Moderne, das alle sozialen Verhältnisse strukturiert. Tatsächlich ist Gewalt konstitutiv für die meisten Staaten und Gesellschaften, ihre Geschlechterordnungen, familialen Strukturen, ökonomischen Systeme und Blickregimes (um nur einige Beispiele zu nennen). Gewalt formt die Konditionen der Prekarität und Migration ebenso wie die alltäglichen Erfahrungen von Stigmatisierung, Rassismus, Sexismus, Homophobie und Transphobie. Von besonderem Interesse sind für uns Analysen, die die vielfachen Formen aufzeigen, in denen sich Gefühle wie Hass, Neid, Wut, Zorn und Unsicherheit auf unsere private und professionelle Lebensgestaltung, auf Gesetze und Diskurse auswirken.

Wesentlich ist, dass diese «Zeit der Gewalt» zugleich neue Öffentlichkeiten politisiert und mobilisiert und von kreativen Formen des Protests begleitet sowie von zum Teil sehr ungewöhnlichen Koalitionen und alternativen Formen des Zusammenlebens geprägt wird. Vom Arabischen Frühling über Occupy zu Black Lives Matter, #MeToo und einer zunehmenden Sichtbarkeit von Trans*Bewegungen – diese Pluralität kollektiver Praktiken und Aufrufe für ein anderes, besseres Leben ist auf komplexe Weise mit der erfahrenen und gefühlten Gewalt verbunden. Das Ziel der Tagung geht deshalb in zwei Richtungen: Einerseits soll ein besseres Verständnis von struktureller Gewalt in ihren vielfältigen physischen, symbolischen, ökonomischen, affektiven und epistemischen Dimensionen gewonnen werden. Andererseits geht es darum, Strategien und Taktiken des Widerstands – eines ‘anderen’ Seins, Tuns und Fühlens – zu erkunden sowie Visionen eines lebbaren Lebens in Solidarität aufzuzeigen.

Informationen zur Anmeldung, Abstracts sowie einen Lageplan finden Sie auf der Konferenz-Website.

 

Wann:

12. September 2019 – 13. September 2019

Wo:

Universität Bern, Hochschulstrasse 6, 3012 Bern

Institutionen:

Schweizerische Gesellschaft für Geschlechterforschung SGGF, Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung IZFG(Schweiz)