Zehn Handlungsaufforderungen «Better Science»

«Better Science. Akademische Kultur im 21. Jahrhundert» ist eine Initiative der Universität Bern. Gefordert wird ein Umdenken weg vom aktuellen Paradigma der Quantifizierung wissenschaftlicher Arbeit hin zu mehr Nachhaltigkeit, Diversität und Chancengleichheit in der Akademie. Eine gesamtuniversitäre Arbeitsgruppe hat zehn Handlungsaufforderungen für Hochschulangehörige erarbeitet.

Für alle Hochschulangehörigen

1. Machen Sie Aufgaben und Leistungen ausserhalb der Hochschule in Ihrem Lebenslauf sichtbar, um aufzuzeigen, wie viel Sie tatsächlich leisten. Dazu gehört nebst dem wissenschaftlichen Bereich (öffentliche Vorträge, Interviews, redaktionelle Beiträge, Ausstellungen, Politikberatung, Unterstützung von sozialen Projekten etc.) auch die Sichtbarmachung von Care Arbeit (Betreuungs- und Pflegearbeit).

2. Nehmen Sie sich auch als Nachwuchswissenschaftler*in Zeit zu denken, z.B. einmal pro Jahr eine Woche Rückzugszeit ohne akademische Pflichterfüllung. Diese Zeit des Nichtstuns oder des kreativen Müssigganges wird Ihrer Konzentration und Ihrer Arbeit einen Schub geben.

3. Entscheiden Sie sich sowohl in der Forschung wie auch in der Lehre für Qualität und nicht für Quantität. Erwarten Sie von allen (inklusive Ihnen selbst), dass sie ihr Bestes geben, aber erwarten Sie nie Perfektion!

4. Priorisieren Sie: Fragen Sie sich, wo Ihre Arbeit exzellent sein muss und wo „gut“ reicht. Streben Sie gezielt nach dem Optimum, aber auch nach einer optimalen Verteilung Ihrer Arbeit auf Forschung und Lehre. Und: Auch, wenn es schwierig ist, entscheiden Sie ganz gezielt, bei welchen Anfragen zur Mitarbeit im Institut Sie "nein" und "ja" sagen.

5. Pflegen Sie einen bewussten Umgang mit E-Mails. Achten Sie auf Ihren Tonfall. Durchdachte E-Mails dämmen die E-Mail-Flut ein und beeinflussen die Kommunikationskultur positiv! Zeigen Sie, dass das Leben mehr beinhaltet als die Arbeit. Erwarten Sie nicht, dass Ihr Arbeitsumfeld am Abend und am Wochenende E-Mails beantworten muss. Machen Sie diese Entscheidung sichtbar: Ergänzen Sie ihre Signatur mit einer kurzen Notiz.

Für Personen mit Führungsverantwortung

6. Unterschätzen Sie Ihren Einfluss auf die Studierenden und Ihre Angestellten nicht. Ebnen Sie schon von Anfang an den Weg für einen gesunden Umgang innerhalb der Wissenschaftskultur und lassen Sie Kritik zu. Unterstützen Sie sie in ihrer (wissenschaftlichen) Arbeit, zeigen Sie Wertschätzung und nehmen Sie sich Zeit für die Betreuung.

7. Pflegen Sie als Führungsperson einen bewussten Umgang mit den persönlichen und zeitlichen Ressourcen, für sich selbst und für die Mitarbeitenden. Nehmen Sie Ihre Vorbildfunktion gegenüber dem wissenschaftlichen Nachwuchs und den Mitarbeitenden wahr.

8. Handeln Sie bei der Bewertung wissenschaftlicher Arbeit nach der DORA-Deklaration: Bewerten und honorieren Sie Arbeiten oder Forschungsanträge, die Qualität über Quantität stellen. Bewerten und honorieren sie somit auch Lehre, Administration, Öffentlichkeitsarbeit, Datenerfassung, Kommissionsarbeit und anderes Engagement.

9. Arbeiten Sie als Führungsperson bewusst im Team und zeigen Sie Wertschätzung für geleistete Arbeit Ihrer Teammitglieder in allen Arbeitsbereichen. Achten Sie darauf, welcher Umgang Ihnen und dem Team guttut.

10. Schaffen Sie als Führungsperson für Mitarbeitende den Raum "nein" zu sagen und achten Sie auf eine faire Verteilung der Aufgaben im Team.

Wenn auch Sie mithelfen, können wir die akademische Kultur mit ihrer belastendenArbeitsweise und den ungesunden Strukturen verändern! Machen Sie mit, den Ansatz "BetterScience" voranzubringen.

Publikationsdatum:

24. Februar 2020

Institutionen:

Abteilung für die Gleichstellung von Frauen und Männern, Universität Bern(Schweiz)