Zukunft der Arbeit - Chancen und Risiken für Geschlechtergerechtigkeit

2019 Congress of the Swiss Sociological Association, University of Neuchâtel, September 10-12, 2019

Die Zukunft der Arbeit hat tiefgreifende Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Wandel. Die Geschlechterfrage erscheint eng damit verknüpft - gleichermassen als deren Folge wie als zentrale Einflussgrösse ihrer Entwicklungen. Ein systematischer Einbezug der Geschlechterperspektive erscheint im Rahmen einer Diskussion über zukünftige Arbeit deshalb unerlässlich.
In der Frauen- und Geschlechterforschung werden die aktuellen Digitalisierungs- und Automatisierungsprozesse für Geschlechterverhältnisse und Geschlechtergerechtigkeit bis anhin als «ambivalent» skizziert (Kutzner/Schnier 2017): Die Neuordnung der Arbeitswelt im Zeichen der Digitalisierung und der dazu notwendigen Kompetenzen impliziert gleichermassen Chancen für eine Überwindung traditioneller Geschlechterdifferenzierungen, wie Risiken einer Verschärfung von Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt und in den Betrieben. So können mit dem digitalen Wandel in den (männerdominierte) Branchen des produzierenden Gewerbes (Stichwort «Industrie 4.0») durch Technikentwicklungen neue Partizipations- und Karrierechancen für Frauen entstehen, während im Dienstleistungsbereich, in dem vorwiegend Frauen beschäftigt sind, durch digital getriebene Rationalisierungsprozesse neue Risiken des Arbeitsplatzverlusts entstehen (z.B. Kassiererinnen) (vgl. auch Oliveira 2017). Die Zukunft der Arbeit ist zudem hinsichtlich der Vereinbarkeit von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Care-Arbeit zu reflektieren: Studien verweisen hier mit Blick auf den digitalen Wandel auf erhebliche Widersprüche und Spannungsfelder. Einerseits kommen flexible Arbeitszeitmodelle, Telearbeit oder Arbeit im Home-Office Bedürfnissen nach einer flexiblen Gestaltung von Arbeits- und Lebenszeit entgegen. Die Arbeit in der «Crowd» ermöglicht den Generationen «Y» und «Z» alternative, autonome und partnerschaftliche Lebensentwürfe. Auf der anderen Seite steht die Flexibilisierung von Arbeit bekanntermassen für Arbeitszeitverdichtung und wachsende Verfügbarkeitsansprüche der Arbeitgeber, und sie «entgrenzt» Erwerbsarbeit und Privatsphäre. Wie es scheint, werden durch Flexibilisierung und Digitalisierung prinzipiell vorhandenen Möglichkeiten einer egalitäreren Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit oftmals konterkariert, der „Gender Time Gap“ bleibt nach wie vor stabil (Kümmerling/Postels/Slomka 2015).

Die Digitalisierung vollzieht sich in einem kulturellen Raum, der von gesellschaftlichen Normen und somit auch Geschlechternormen geprägt ist. Politisch stellt sich die Frage, wie die Veränderungen mit Blick auf einen geschlechtersegregierten Arbeitsmarkt wie Care- Arbeit genutzt und gestaltet werden können, um Geschlechtergerechtigkeit zu befördern. Nicht zuletzt stellen sich Fragen zu Modellen sozialer Sicherheit, welche in der Lage sind die endgültige Abkehr vom «Normalarbeitsverhältnis» miteinzubeziehen.

Der Workshop lädt vor dem Hintergrund der hier skizzierten Dimensionen einer ‘Zukunft der Arbeit’ zu theoretischen Überlegungen und empirischen Arbeiten ein. Willkommen sind unter anderem Beiträge, welche

  • Chancen und Risiken der Digitalisierung für Männer und Frauen in unterschiedlichen Branchen und Berufsfeldern untersuchen
  • die Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie diskutieren
  • aktuelle Entwicklungen im Bereich der bezahlten Arbeit ins Verhältnis zu Veränderungen von Geschlechterverhältnissen und -normierungen im Bereich unbezahlter Arbeit setzen
  • die Rolle der Politik und insbesondere Gleichstellungspolitik (auf staatlicher oder betrieblicher Ebene) hinsichtlich des gegenwärtigen Strukturwandels in der Arbeitswelt und im Privaten thematisieren.

Applicants must send their abstracts to the designated email address for each workshop. They must include their name, affiliation, and contact information in the message. The maximum length for abstracts is 2000 characters (including spaces) and the deadline for submission is April 20, 2019. Any inquiries, including references cited in the call for abstracts, must be addressed directly to workshop organizers and workshop organizers are solely responsible for the review and selection of the submissions they receive.

Contact and email address for abstract submission: brigitte.liebigunibasch

Publikationsdatum:

28. März 2019

Deadline:

20. April 2019

Themen:

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