Wissensproduktion im Spannungsfeld von Macht, Ungleichheit und epistemischer Verantwortung

Vorschlag für den Call for Papers für das Themenheft für die Zeitschrift „Gesellschaft – Individuum – Sozialisation. Zeitschrift für Sozialisationsforschung“ (GISo), Frühjahr, 2027 

Gastherausgeber*innen: Lalitha Chamakalayil, Luca Preite, Oxana Ivanova-Chessex (auch GISo- Redaktion)

Wenn angenommen wird, dass Gesellschaften in und durch Herrschafts- und Ungleichheitsverhältnisse durchdrungen und geprägt sind, stellt sich mit Blick auf unterschiedliche Bildungskontexte, Bildungsräume und Bildungsprozesse nicht nur die Frage, wie sich diese Verhältnisse darin artikulieren, reproduzieren, brechen und transformieren lassen. In den Mittelpunkt rückt auch die Frage nach den gesellschaftlichen Bedingungen der Wissensproduktion einer Bildungsforschung. Entsprechend geht es darum, was es für Forschung zu – breit verstandener – Bildung bedeutet, unter Bedingungen intersektional verschränkt wirksamer Macht- und Herrschaftsverhältnisse und daraus resultierender Ungleichheiten diese Ausgangslage selbst zum Gegenstand ihrer Forschung zu machen.
Ein (selbst-)reflexives Hinterfragen der Eingebundenheit des wissenschaftlichen Arbeitens in die (Re-)Produktion von Macht- und Herrschaftsverhältnissen gehört zum festen Gegenstand kritischer Migrationsforschung, der Queer Studies, postkolonialer und feministischer Forschung (Harding, 1992; Hill Collins, 1986; Love & McDonnell, 2024; Schwertl, 2018) und auch gesellschaftskritischer Forschung zu Bildung: Dabei werden methodische Vorgehensweisen (Langer et al., 2013), die Machtförmigkeit von Forschungsbeziehungen (Eßer & Sitter, 2018), Repräsentationsverhältnisse (Dhawan, 2012; Engel et al., 2021), Positionalität der Wissensproduktion (Haraway, 1988; Mohammed, 2023; Piedra, 2023) oder auch Fragen nach der Verantwortung bei der Wissensproduktion, der Bedeutung von Gesellschaftskritik und hinsichtlich eines epistemischen Wandels in den Blick genommen (Castro Varela, 2016; Hilscher et al., 2020; Jergus, 2019).
Der Call for Papers lädt dazu ein, sich mit Fragen der Wissensproduktion im Kontext der Bildungsforschung zu befassen. Folgende Fragenkomplexe können die Beiträge inspirieren: Wie strukturieren Macht- und Herrschaftsverhältnisse Wissensproduktionen in Bildungsforschungskontexten? Wie verhält es sich mit der gesellschaftlichen, politischen oder epistemischen Verantwortung der Bildungsforschung in gesellschaftlichen und akademischen Macht- und Ungleichheitsverhältnissen? Welchen Einfluss haben Machtasymmetrien in Forschungsbeziehungen und Erforschungskontexten und wie können diese machtreflexiv eingefangen werden bzw. nicht-negiert werden? Welche Fragen stellen sich im Hinblick auf Repräsentationsverhältnisse sowohl hinsichtlich des Forschungskontexts als auch des Forschungsprozesses? Wie strukturieren kapitalistische und akademische Produktionsverhältnisse Bedingungen der bildungswissenschaftlichen Wissensproduktion? Und: Wie lässt sich die politische Aneignung bildungswissenschaftlicher Ungleichheitsbefunde reflexiv analysieren, ohne deren epistemischen Gehalt zu entwerten und zugleich partikulare sowie machtgebundene Verwertungslogiken offenzulegen?

Mit diesem Call schliessen wir an Diskussionen an, die im Zuge der Vernetzungstagung der Arbeitsgruppe “Bildung in gesellschaftlichen Macht- und Ungleichheitsverhältnissen” der Schweizerischen Gesellschaft für Bildungsforschung (SGBF) «Wissensproduktion zu/in Macht- und Ungleichheitsverhältnissen – Perspektiven der bildungswissenschaftlichen Forschung» im Mai 2025 stattgefunden haben.

Wir freuen uns über Abstracts von Vortragenden, Mitdiskutierenden und thematisch interessierten Personen im Umfang von maximal 300 Wörtern bis zum 25.03.2026 an luca.preite fhnw ch. Eine Rückmeldung erfolgt bis zum 15.04.2026. Die Eingabefrist für die Artikel ist der 31.08.2026. Die Einreichungen sind auf Deutsch, Englisch und Französisch möglich. Der Umfang der Beiträge liegt bei max. 50.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen, Zusammenfassung und Literaturverzeichnis). Vor der Veröffentlichung durchlaufen die eingereichten Beiträge ein double-blind Peer-Reviewverfahren. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Herausgeber*innen-Team an die genannte Mailadresse mit Betreff «GISo, Frühjahr 2027».

Publikationsdatum:

11. Februar 2026

Frist:

25. März 2026

Institutionen:

Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Pädagogische Hochschule Zürich PHZH