Platz für Vielfalt?! - Differenzlinien in der Offenen Jugendarbeit

Call for papers für Fachtagung Platz für Vielfalt?! - Differenzlinien in der Offenen Jugendarbeit  
 
Wir laden Sie ein, Beiträge für Workshops und Vorträge zu dieser Fachtagung der Berner Fachhochschule, Soziale Arbeit und des Dachverbands Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz DOJ am 20. / 21. November 2020 in Bern einzureichen.
 
Gesellschaftliche Differenzlinien sozialer Ungleichheit wie Gender, Religionszugehörigkeit, ökonomischer und sozialer Hintergrund, ethnische Zugehörigkeit entfalten sich – bewusst und unbewusst – auch in der Offenen Jugendarbeit und es stellt sich die Frage, wie Fachpersonen diese gestaltet können, so dass Verschiedenheit Platz hat und Diskriminierung vermieden werden kann. Im Alltag der Offenen Jugendarbeit zeigt sich die intersektionale Verschränkung der verschiedenen Formen des ‘Anders’-seins sowohl in den Adressierungen der Zielgruppen durch die Fachpersonen (z. B. Mädchen mit Migrationshintergrund) als auch im Sprechen und Tun der Jugendlichen selbst. Differenzierungen finden dabei meist einen spezifisch jugendsprachlichen Ausdruck: So wird beispielsweise zwischen ‚anständigen‘ und ‚unanständigen‘ Mädchen unterschieden, zwischen denjenigen, die schon lange im Land oder erst vor kurzem angekommen sind oder zwischen den coolen und uncoolen Jungs. Die Differenzlinien sind dabei zugleich strukturell und situativ und adressieren Verschiedenheit im je konkreten Kontext mit dem Ziel der Herabwürdigung und/oder des Ausschlusses sowie der verbindenden Vergemeinschaftungen.  
 
Die Tagung verfolgt das Ziel, Forschung und Praxis der Offenen Jugendarbeit über diese konkreten Differenzierungen ins Gespräch zu bringen. Es interessieren uns daher zum einen empirische und theoretische Arbeiten, die sich mit Differenzierungsprozessen und ihren Folgen im Jugendalter auseinandersetzen und zum anderen empirische Untersuchungen und Projekte aus der Praxis, in denen Differenzlinien in der Offenen Jugendarbeit Thema sind.
 
Im Einzelnen könnten folgende Fragen adressiert werden: 

Intersektionale Verschränkung von Differenzlinien und deren Auswirkungen im Jugendalter

  • Welche Differenzierungen sind für Jugendliche heute relevant? Sind Geschlecht und sexuelle Orientierung weiterhin zentrale Differenzlinien? Wie sind sie mit anderen Differenzierungen verknüpft?   
  • In welchem Zusammenhang stehen diese Differenzen mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen? 
  • Wie und durch wen werden Differenzlinien hergestellt, reproduziert oder verändert?
  • Welche Auswirkungen haben diese Differenzierungen für die Jugendlichen?
  • Wie und von wem werden Auswirkungen (nicht) thematisiert oder problematisiert?

Differenzlinien in der Offenen Jugendarbeit
 

  • Welche Differenzierungen werden im Alltag der Offenen Jugendarbeit hergestellt, reproduziert oder verändert? Wie zeigt sich das?  Wie und von wem werden sie gerechtfertigt?
  • Wie verschränken sich die Differenzlinien in der alltäglichen Praxis der Offenen Jugendarbeit?  
  • Welche Auswirkungen haben die Differenzierungen für die konkrete Praxis in der Offenen Jugendarbeit? Inwiefern werden dadurch Einzelne und/oder Gruppen benachteiligt?  
  • Wie gehen Fachpersonen mit Differenzierungen in der Offenen Jugendarbeit um? Wie und wann intervenieren sie (nicht)?
  • Wo sind die Grenzen der Toleranz? Hat die Offene Jugendarbeit Platz für alle – und will sie das?  
  • Welche Differenzlinien sind in den strukturellen Rahmenbedingungen der Offenen Jugendarbeit eingeschrieben? (Finanzierungsmodelle, staatliche Aufträge, finanzielle und personelle Beschränkungen, institutionelle Ausrichtung, sozialräumliche Verortung?)  
  • Welchen Einfluss hat der Kontext (z. B. offener Treff, Projektarbeit/angeleitete Aktivität, aufsuchende Jugendarbeit) auf die Herstellung von und den Umgang mit Differenzlinien?
  • Müsste Offene Jugendarbeit möglicherweise neue zielgruppenspezifische Angebote entwickeln?  
  • Welche methodischen Zugänge erweisen sich auf Grund von praktischen Erfahrungen von Jugendarbeiter*innen in der Offenen Jugendarbeit als zielführend, um Differenzlinien zu thematisieren, diese mit den Jugendlichen zu reflektieren und Veränderungsprozesse zu initiieren?

Wir planen dazu Vorträge und interaktive Workshops sowie Poster.
 
Einreichung

Wir bitten Sie Ihren Vorschlag für einen Beitrag mit Angabe des Formats auf einer halben Din-A4-Seite zu erläutern.
 
Wir freuen uns auf Ihre Einreichung per E-Mail bis 1. Juli 2020. Beiträge zu Theorie/Forschung an: stefanie.duttweilerbfhch Beiträge für Praxisworkshops und -beispiele: tobias.bauer@doj.ch

Publikationsdatum:

20. Mai 2020

Deadline:

01. Juli 2020

Disziplinen:

Institutionen:

Berner Fachhochschule BFH