Europa an der Grenze. Demokratie und Geschlecht in Transformation?

Die Europäische Union hat in den letzten Jahren verschiedene, immer wieder als krisenhaft diskutierte Entwicklungen  erlebt  –  die  Wirtschafts-  und  Finanzkrise  und  die  darauf  folgende  Austeritätspolitik  in  der EU, den „langen Sommer der Migration“ (Hess et al. 2015) und die darauf folgenden Kontroversen um die Migrations- und Flüchtlingspolitik, den Brexit und die Fragen, die dieser für die Stabilität der EU aufwirft, rechtspopulistische Regierungen und korrupte Politiker_innen, die in mehreren Mitgliedstaaten Prinzipien von Rechtsstaatlichkeit und repräsentativer Demokratie untergraben, und schließlich geostrategische, ökonomische und weltpolitische Konkurrenten und Bedrohungen (China, Russland, USA). Den krisenhaften Entwicklungen steht eine Stärkung der institutionellen Repräsentanz von Frauen ge-genüber. Erstmals in der Geschichte der EU steht mit Ursula von der Leyen eine Frau an der Spitze der Europäischen Kommission. Während Männer in der letzten EU-Kommission mit zwei Dritteln überrepräsentiert waren, ist die neue EU-Kommission voraussichtlich fast paritätisch besetzt. Der Heftschwerpunkt wird vor diesem Hintergrund die Situation von Frauen und Gleichstellungspolitiken in der EU thematisieren und dabei auch die explizit positive Entwicklung beleuchten. Daraus ergeben sich folgende Fragen, die Diskussion ist jedoch nicht darauf limitiert:

  • Wie wirkt der vielfältige Wandel innerhalb der EU auf die Geschlechterverhältnisse? Welche alten und neuen Varianten des Geschlechterverhältnisses werden konstruiert?
  • Wie sind die Widersprüchlichkeiten in den Entwicklungen zu fassen – eine Stärkung der Repräsentation von Frauen in den Organen der EU auf der einen Seite und das Zurückfahren von Geschlechtergleichheit in Mitgliedstaaten wie Polen und Ungarn auf der anderen Seite?
  • Wie ist der Stand der Durchsetzung der EU-Ziele ‚Einheit in Vielfalt‘, Diversity, Gender Mainstreaming und Geschlechterdemokratie zu beurteilen? Welche Strategien haben sich bewährt? Wo und warum sind die Ziele gescheitert?
  • Wie sind die (scheinbar) widersprüchlichen Entwicklungen der EU insgesamt zu greifen, zu analysieren und/oder zu theoretisieren? Widersprechen sie sich tatsächlich, oder ergänzen sie sich doch?
  • Welche Möglichkeitsräume bietet die aktuelle Situation der EU für Demokratisierungsprozesse? Welche Potenziale bieten sich für die Stärkung von Demokratie, Gerechtigkeit und Geschlechtergleichheit?

Herausgeberinnen sind Gudrun Hentges, Claudia Wiesner und Carola Bauschke-Urban. Der vollständige Call findet sich im Anhang als PDF.

Publikationsdatum:

04. Dezember 2019

Deadline:

19. Januar 2020