Das gute Leben in der Krise – Geschlechterverhältnisse auf dem Prüfstand

Forschung

Gender - Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft

Die Frage nach dem guten Leben ist seit mehr als 2000 Jahren Gegenstand der Philosophie und auch aktuell Gegenstand lebhafter Debatten. In jüngster Zeit zeichnet sie sich durch eine neue Virulenz aus. Im Frühjahr 2020 stellt die weltweite Krise aufgrund der Verbreitung von COVID-19 und der Maßnahmen zu deren Eindämmung die Vorstellungen eines guten Lebens vieler Menschen akut infrage: Es zeichnen sich mögliche Entwicklungen ab, die auf einen Rückfall in konventionelle Geschlechtermuster hindeuten, so bei der Versorgung von Kindern und pflegebedürftigen Personen wie auch bei sich verstärkenden Problemen, z. B. eskalierende Gewalt im sozialen Nahraum oder größere Hindernisse beim Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen.

Wie ein gutes Leben für alle, nicht nur für die Privilegierten, ermöglicht werden kann, ist die zentrale Frage auch und gerade nach heftigen Krisen, die sowohl eine Chance für Neues und Umverteilungen als auch für eine Verstärkung der Kluft zwischen Arm und Reich und zwischen den Geschlechtern sein können, wie die jüngere Geschichte zeigt. Inter- und postdisziplinäre Ansätze greifen das Thema daher zunehmend auf. Besonders prominent sind Perspektiven des New Materialism, aber auch in soziologischen Forschungen zu Postwachstumsgesellschaften spielt das gute Leben eine Rolle. Auffällig ist hierbei, dass Aspekte der grundlegenden Angewiesenheit und Verbundenheit von Menschen auf- und miteinander in den Fokus genommen werden, und damit die vielfältigen Arten des gemeinsamen In-der-Welt-Seins. Mit dieser Perspektive kommt nicht zuletzt die auf vielfältige Weise vermachtete Geschlechterdifferenz ins Spiel. Medien- und kulturwissenschaftliche Forschungen nehmen diese Überlegungen ebenfalls auf, um sich der künstlerisch-medialen Produktion utopischer und dystopischer Zukunftswelten zuzuwenden. So wird das gute Leben immer auch zu einer Frage des Glücks und des Gegenglücks.

Im Schwerpunktheft der GENDER zum guten Leben in Zeiten der Krise sollen die damit verbundenen Fragen aufgegriffen und diese in einen größeren, interdisziplinären Zusammenhang gestellt werden.

Verfahren und Zeitplanung

Wir bitten um die Einreichung eines ein- bis zweiseitigen Abstracts bis zum 07. Juni 2020. Beiträge aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland können gern auch auf Englisch eingereicht werden. Die Redaktion arbeitet mit dem Online-Redaktionssystem OJS. Daher bitten wir Sie, sich auf www.budrich-journals.de/index.php/gender als Autorin oder Autor für die Zeitschrift GENDER anzumelden und Ihr Abstract dort einzureichen und hochzuladen. Die Einladung zur Beitragseinreichung erfolgt im Falle einer positiven Einschätzung bis zum 21. Juni 2020. Der Abgabetermin des fertigen Beitrags im Umfang von max. 50.000 Zeichen ist der 15. November 2020. Alle eingereichten Beiträge durchlaufen ein mehrstufiges Review-Verfahren, auf dessen Grundlage die endgültige Auswahl der Beiträge getroffen wird; dabei sind Hinweise zur Überarbeitung eher die Regel als die Ausnahme. Diese werden den Autor_innen von den Herausgeberinnen zurückgemeldet. Im Falle einer hohen Anzahl von positiv begutachteten Beiträgen behält sich die Redaktion vor, eine abschließende Auswahl vorzunehmen und ggf. Beiträge in einer späteren Ausgabe zu veröffentlichen.

Publikationsdatum:

09. April 2020

Deadline:

07. Juni 2020