Bildung in der Grauzone? Relationierungen von ‘Rand’ und ‘Zentrum’
Lalitha Chamakalayil, Luisa Genovese, Oxana Ivanova-Chessex, Wiebke Scharathow (Herausgeber*innen)
Keywords: Bildung ausserhalb von Bildungsinstitutionen, Macht- und Ungleichheitsverhältnisse, Elternengagement, shadow education, pädagogische Alternativität, (De)Institutionalisierung
Wenn Bildung in erziehungswissenschaftlichen Annäherungen als ein Prozess verstanden wird, „in dem mittels der Ansprache der Individuen in der Welt und der Auseinandersetzung der Individuen mit der Welt Subjektivität und Subjekt-Status ermöglicht und beständig verändert wird“ (Heinemann & Mecheril, 2018, S. 248), bleibt es zunächst offen, wie eine so aufgefasste Bildung gerahmt wird. Und dennoch werden unter dem Stichwort ‘Bildung’ in Fachdiskursen oft explizit oder implizit öffentliche Institutionen formaler Bildung als dominante Akteur*innen aufgerufen. Ein breites Spektrum von alternativen oder ergänzenden Bildungsangeboten – von professionalisierten Nachhilfe-Angeboten bis zu bildungspolitischen Initiativen und Kurzzeitbildungsprojekten, von Elterngruppen zu familialen Bildungsbewegungen – gelangt seltener in den Fokus der Bildungsforschung (Andrews, 2013; Geier & Frank, 2021; Pfaff et al., 2019; Zhang & Bray, 2020).
Der Sammelband bringt Forschungsbeiträge aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, die Bildungsakteur*innen jenseits von öffentlichen Bildungsinstitutionen in den Blick nehmen und deren über diese Institutionen hinausgehenden Bildungsbemühungen nachzeichnen. Dabei wird dieses Bildungsgeschehen als durch Macht- und Ungleichheitsverhältnisse durchzogen (Riegel, 2016) analysiert. Bildungsprojekte, -initiativen und -organisationen (wie beispielsweise (migrantische) Elternkomitees und -vereine, familiale ‘alternative’ Pädagogiken, Nachhilfe-Angebote im Sinne von shadow education) sollen Gegenstand des geplanten Sammelbandes werden. Der Sammelband stellt damit eine erste Auslegeordnung eines als ‘Grauzone’ bezeichneten Feldes vor, das vom Rand ins Zentrum gerückt wird. Dabei geht es nicht nur um eine Dezentrierung ‘legitimierter’ Institutionen, sondern spezifisch auch um das Wechselspiel zwischen in Macht- und Ungleichheitsverhältnissen unterschiedlich verorteten und in verschiedenen Graden institutionalisierten Bildungsbewegungen ausserhalb der öffentlichen Bildungsinstitutionen. Der Fokus liegt damit auf Relationen der untersuchten Bildungsinitiativen zu öffentlichen Bildungsinstitutionen. Gefragt wird:
- In welchem Verhältnis untersuchte Bildungsinitiativen in der ‘Grauzone’ zu einem als Zentrum imaginierten öffentlichen Bildungssystem stehen und was in verschiedenen Relationen/Relationierungen sichtbar und bearbeitbar wird
- Wie sich die Bildungsbemühungen am Rand und im Zentrum gegenseitig beeinflussen und sich hierdurch gegebenenfalls die verschiedenen (Non-)Institutionen auch neuformieren, (de)institutionalisieren (Casale et al., 2024) können?
Der Sammelband erhofft sich durch die interdisziplinäre Auffächerung neue Erkenntnisse über Bildungsbewegungen und die (möglicherweise (de)institutionalisierende) Relationalität zu und die Transformierbarkeit (Kessl, 2025) von Bildung(sinstitutionen). Aus einer Macht- und Ungleichheitskritischen Perspektive stellen sich dabei nicht nur Fragen nach dem Was der Transformation (seiner Bedingungen/Bedingtheiten und den spezifischen Relationierungen), sondern auch nach dem Wie und den Akteur*innen von Transformation bzw. Transformationsbemühungen, was nicht zuletzt auch nach der Verstrickung der Wissenschaft in diese Transformationsprozesse (Rieger-Ladich, 2025) fragt.Geplant sind ca. 15 Beiträge, die sich disziplinenübergreifend mit der Frage nach der relationalen Bedingtheit und Transformierbarkeit von Bildung / Bildungsorten / Bildungsinstitutionen / (selbstorganisierten) Bildungsbewegungen beschäftigen und dies aus genealogischer, historischer, macht- und differenztheoretisch informierten bildungswissenschaftlichen Perspektiven tun.
Die Titel der Beiträge und Abstracts (max. 2.500 Zeichen inkl. Leerzeichen und Literatur) werden bis zum 31.03.2026 erwartet. Die Beiträge (max. 50.000 Zeichen inkl. Leerzeichen und Literatur) sind bis zum 31.07.2026 einzureichen. Bitte senden Sie bzw. sendet die Abstracts und Beiträge an luisa.genovese phzh ch. Die Veröffentlichung ist für 2027 geplant. Derzeit prüfen wir, in welchem Verlag der Band publiziert wird. Geplant ist eine peer-reviewte Open Access-Publikation
Publikationsdatum:
03. März 2026
Frist:
31. März 2026
Themen:
Disziplinen:
Institutionen:
Pädagogische Hochschule Zürich PHZH