4. Internationale deutschsprachige Tagung «Frauen in der Landwirtschaft»

 23.-25. März 2022 am Inforama Rütti, Zollikofen BE 

Problemstellungen

Wie weltweit, gilt auch in der Schweiz, in Österreich, Deutschland und Südtirol der bäuerliche Familienbetrieb als Basis der Landwirtschaft. Im Familienbetrieb, wo Betrieb, Haushalt und Familie eng miteinander verknüpft sind, wird offensichtlich, wie sehr Produktions- und Reproduktionsarbeit einander bedingen und gegenseitig beeinflussen. Daher haben wirtschaftliche Veränderungen wie Globalisierung und Marktöffnung in der Landwirtschaft einen grossen Einfluss auf die bäuerliche Familie und umgekehrt haben gesellschaftliche Veränderungen wie Individualisierung oder Emanzipation auch einen grossen Einfluss auf das Unternehmen.

Im bäuerlichen Familienbetrieb spielen die Frauen seit jeher eine bedeutende Rolle. Im Kontext des landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandels übernehmen sie immer mehr und neue Aufgaben und Funktionen: Einige leiten eigene Betriebszweige, andere den ganzen Betrieb, wieder andere verwirklichen sich in ihrem bisherigen Beruf und tragen auf diese Weise zum Familieneinkommen bei. Aber auch ausserhalb des Familienbetriebs nehmen Frauen zunehmend eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft ein, als inländische oder ausländische landwirtschaftliche Arbeiterinnen.

Diese Veränderungen haben eine grosse Dynamik in zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe gebracht und es stellen sich Fragen nach veränderten Rollenvorstellungen, Arbeitsteilung und Identität. Gleichzeitig bringen diese Veränderungen Risiken mit sich. Zusätzliche Arbeitsbelastung kann zu Überlastung mit entsprechenden Konsequenzen führen: Burnout oder Suizid treffen auch bäuerliche Familien.

Und doch fehlt vielen Frauen in der Landwirtschaft noch immer eine substantielle Anerkennung ihres Beitrags zu Unternehmen und Familie: Noch immer werden zahlreiche Bäuerinnen als «nicht erwerbstätig» betrachtet, haben keinen Lohn, keine genügende soziale Absicherung und keinen Anspruch auf eine eigenständige Altersvorsorge. Im Falle einer Ehescheidung – auch in landwirtschaftlichen Familien keine Seltenheit mehr –, im Invaliditätsfall oder im Alter hat dies teilweise gravierende Auswirkungen für die Frauen.

Neben diesen familiären Herausforderungen sehen sich Frauen [und Männer] in der Landwirtschaft auch auf anderen Ebenen Herausforderungen gegenüber: So sind die Ansprüche von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft an die Landwirtschaft teilweise widersprüchlich, etwa die Forderung nach möglichst günstigen, aber ökologisch produzierten und gesunden Nahrungsmitteln oder das Verbot von Pestiziden in der Landwirtschaft, aber nicht im urbanen Schrebergarten oder auf Sportanlagen. Andere Ansprüche widersprechen den individuellen Bedürfnissen und Rollenvorstellungen der Bäuerinnen, Landwirtinnen und Landwirte: So steht die gesellschaftlich verlangte landschaftspflegerische Funktion der Landwirtschaft oft im Widerspruch zum bäuerlichen Selbstverständnis als ProduzentInnen von Nahrungsmitteln.

Wie gehen die Frauen in der Landwirtschaft mit diesen Herausforderungen um und wie können sie auch politische Prozesse beeinflussen und mitbestimmen?

Ziel der Tagung

Die 4. Internationale deutschsprachige Tagung „Frauen in der Landwirtschaft“ will einmal eine Plattform bieten, um die neuesten Ergebnisse aus der Forschung einer interessierten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Ausserdem bietet sie als Diskussions- und Begegnungsforum die Möglichkeit zu einem breiten Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Frauen aus der Landwirtschaft, VertreterInnen aus der Forschung, der landwirtschaftlichen Beratung, aus Politik und Verwaltung, kurz für all jene, die sich in Theorie und Praxis mit der Situation der Frauen in der Landwirtschaft befassen und sich für deren Entwicklung interessieren. Die Tagung gibt den Frauen in der Landwirtschaft einen Platz und macht ihre Bedürfnisse, Fragen und Probleme sichtbar. Sie bietet PraktikerInnen und PolitikerInnen ausserdem die Gelegenheit, Wünsche an die WissenschaftlerInnen zu formulieren und Forschungsbedarf aufzuzeigen.

Die Tagung richtet sich an ForscherInnen aller Disziplinen an Universitäten, (Fach-) Hochschulen und anderen Forschungsinstitutionen, die sich mit dem Thema Frauen in der Landwirtschaft befassen, an Bäuerinnen und Landwirtinnen, an Beratungs- und Lehrpersonen der bäuerlichen Hauswirtschaft und Landwirtschaft, an PolitikerInnen sowie an weitere Interessierte.

Dieser Call for Abstracts lädt dazu ein, wissenschaftliche Vortragsbeiträge einzureichen mit geographischem Fokus auf die deutschsprachigen Länder bzw. Regionen Europas (Deutschland, Italien, Lichtenstein, Österreich und Schweiz) und zu folgenden Fragen und Themenbereichen:

  • Rechtliche Situation, Entlohnung und soziale Sicherheit: Welche Ansätze zur Realisierung von Geschlechtergerechtigkeit gibt es in bäuerlichen Familienbetrieben?
  • Eigentum und Zugang zu Land: Welche Hürden ergeben sich durch gesellschaftliche, politische oder rechtliche Rahmenbedingungen und welche Möglichkeiten haben die Frauen in der Landwirtschaft?
  • Welche Auswirkung haben die in den letzten Jahrzehnten veränderte Arbeitsteilung, Aufgaben- und Kompetenzzuordnung für die Frauen im bäuerlichen Familienbetrieb?
  • Einkommenssicherung dank Frauenarbeit: Welche Möglichkeiten und Strategien, innovative Formen der Produktion und Betriebsorganisation bestehen?
  • Identität der Frauen in der Landwirtschaft: Wer bin ich? Bäuerin? Landwirtin? Betriebsleiterin?
  • Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Ausbildungswege – Bäuerin auf der einen Seite, Landwirtin auf der anderen Seite – bei der Zementierung von Geschlechterungerechtigkeit in der Landwirtschaft?
  • Das Bild der Frau in der Landwirtschaft und in der Gesellschaft: Was ist Idealisierung, was Realität?
  • Drei-und-mehr-Generationen-Haushalt: Welche Chancen und Belastungen birgt dieses Zusammenleben für die Frauen [und Männer] und wie gehen sie damit um?
  • Frauen in landwirtschaftlichen Organisationen und Politik: Welche Strategien können für eine angemessene Vertretung in Gremien und zum Durchsetzen ihrer Anliegen zum Erfolg führen?

Die eingereichten Beiträge durchlaufen einen Begutachtungsprozess. Nach der Tagung ist die Veröffentlichung eines Sammelbands aller angenommen Tagungsbeiträgen geplant.

Wichtige Daten & Kontakt Tagungsbüro

16. Juni 2021: Veröffentlichung CfP
31. August 2021: Einreichung Abstracts (400 Wörter, max. 1 Seite) via ConfTool
30. September 2021: Rückmeldung über Annahme der Abstracts
1. April 2022: Elektronische Abgabe einer schriftlichen Fassung des Vortrages im Hinblick auf die geplante Publikation via ConfTool https://www.conftool.org/frauenlandwirtschaft2022/

Kontakt Tagungsbüro: elizabeth.bieribfhch

Elisabeth Bäschlin, Geographisches Institut der Universität Bern (GIUB) / Gruppe Sozial- und Kulturgeographie, Bern
Sandra Contzen, Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (BFH-HAFL), Zollikofen
Ruth Moser, AGRIDEA (Landwirtschaftliche Beratungszentrale der kantonalen Fachstellen), Lindau
Barbara Thörnblad, INFORAMA Kanton Bern, Bildungs-, Beratungs- und Tagungszentrum, Zollikofen

Publikationsdatum:

17. Juni 2021

Deadline:

31. August 2021

Institutionen:

Geographisches Institut, Universität Bern, Berner Fachhochschule BFH