| Description: | Die Beziehung zwischen Frau und Mann und die Rollenverteilung der beiden Geschlechter in bezug auf die Kindererziehung sind ein hochaktuelles Thema. Dennoch gibt es in der Schweiz kaum Beiträge zum Thema Väter, es fehlen Studien, die sich sowohl mit dem subjektiven Verantwortungskonzept des Vaters als auch mit den soziologischen Strukturen, die eine Vaterabwesenheit begünstigen, befassen. Das vorliegende Projekt hat zum Ziel, spezifisch die Problematik des Verantwortungsbewusstseins der von ihren Kindern getrennt lebenden Väter wissenschaftlich zu untersuchen. Dabei wird Verantwortungsbewusstsein verstanden im Sinne von Einstellungen, die sich in beobachtbaren Handlungen niederschlagen, zum Beispiel in einer aktiven Teilnahme am Erziehungsgeschehen. Das Projekt ist insofern interdisziplinär angelegt, als sowohl psychologische, soziologische, sowie historische Faktoren, die an der Entstehung und Eigenschaft des Verantwortungsbewusstsein beteiligt sind, berücksichtigt werden. Durch diesen interdisziplinären Forschungsansatz soll neues Licht auf die symbolische Ordnung geworfen werden, die die Beziehungen zwischen den Geschlechtern bestimmt. Insbesondere wird die Problematik der Elternrolle unter besonderer Berücksichtigung des Mannes analysiert, eine wichtige Voraussetzung für eine gerechtere Verteilung der Elternverantwortung zwischen Mann und Frau. Auf der Basis eigenständiger empirischer Forschung werden zwei Vergleichsgruppen zum Thema Verantwortung befragt. Die erste der beiden Vergleichsgruppen besteht aus jenen Männern, die ihre Verantwortung augenscheinlich nicht wahrnehmen: die von ihren Kindern getrennt lebenden Väter, die entweder gar keinen oder nur sehr beschränkten Kontakt zu ihren Kindern haben und zudem ihre Unterhaltspflicht vernachlässigen. Die zweite Untersuchungsgruppe setzt sich aus denjenigen getrennt lebenden Vätern zusammen, die mit ihrem Nachwuchs in regelmässigem Kontakt stehen und ihrer Unterhaltspflicht nachkommen. Dabei wird das individuelle Konzept der Verantwortung in bezug auf die männliche Identität einerseits sowie die praktische Umsetzung dieses Konzeptes mit Blick auf das soziologische Umfeld andererseits einer tiefgreifenden Betrachtung unterzogen. Ein quantitativer Fragebogen dient zunächst der Standortbestimmung (screening). Auf der Basis dieser Voranalyse werden relevante Kandidaten ermittelt (sampling). Der Fragebogen wird vertieft mittels eines von den methodischen Einsichten Pierre Bourdieus beeinflussten Interviews mit den ausgewählten Vätern. |